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	<title>Meinung - jascha.wtf</title>
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		<title>Computa, make them gay and horny</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 20:28:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
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					<description><![CDATA[15176 Zeichen über das Computa-Meme und das Verhältnis von heterosexuellen Frauen zu schwulen Männer geschrieben. Und ich habe das Wort "Heterofatalismus" verwendet. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 8</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Auf TikTok steht es oft schon in den Kommentaren, bevor man weitergescrollt hat. Zwei Männer in einem Video, mehr braucht es nicht. Sie müssen sich nicht kennen, müssen nicht konventionell attraktiv sein, müssen nichts Besonderes tun. Sie müssen nur gleichzeitig im Bild sein und männlich. Das reicht. Der Kommentar lautet:&nbsp;<em>Computa</em>. Ein Wort, das nichts erklärt und ganz viel meint.&nbsp;<a href="https://knowyourmeme.com/memes/computa-make-x-into-y-computer-guy" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Julius Mondragon aus Chicago<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>&nbsp;geht seit Januar 2026 mit einer Ray-Ban-Kamerabrille durch die Stadt und gibt seinem imaginären Computer Befehle – „Computa, make this man gay“, „Computa, make these guys super gay and horny“ und filmt die Reaktionen. Ein Straßenprank, viele Millionen Views. Und dann haben hetero Frauen diese Videos gefunden. Seitdem steht „Computa“ unter jedem Video mit zwei Männern. Egal ob es zwei Freunde, zwei Kollegen oder zwei Serienfiguren sind. Am Ende sind es reale Menschen, die einfach nur im gleichen Bild sind. Mehr Voraussetzung gibt es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein junger Typ auf TikTok (das ich leider nicht mehr finde) hat dazu ein Video gemacht mit dem Titel „<em>Heated Rivalry</em> and <em>Computah</em> (sic!), <em>make these guys</em> has altered the internet forever.“ Er hat nicht ganz unrecht, dass sich gerade etwas verschoben hat. Er hat nur keine Ahnung, dass jetzt nur an die Oberfläche schwappt, was schon lange da vorher da war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meinem Outing in der Schule entdeckte eine Klassenkameradin plötzlich ihr Interesse an mir als Person. Sie wollte shoppen gehen und über Jungs reden. Ich hörte Metal, Gothic und Punk, hatte komische Hobbies und war in Habitus und Optik so ziemlich das Gegenteil von dem, was sie sich unter ihrem Gay Best Friend vorgestellt hatte. Sie hat es trotzdem versucht (the audacity!) Ich weigerte mich, das Spielchen mitzumachen und das Interesse erlosch entsprechend schnell. Was blieb, war die Frage, die mich seitdem nicht losgelassen hat: Was ist eigentlich schwuler als als Mann mit einem Mann Sex zu haben? Die Antwort, die dieses Muster impliziert: offenbar sehr vieles. Wer das Stereotyp nicht bedient, wer kein <a href="https://sexandthecity.fandom.com/wiki/Stanford_Blatch" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Stanford Blatch<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> sein will, nicht sassy ist, kein Interesse an ihren Outfits hat und nicht ihr emotionales Haustier werden will zählt in diesem Konstrukt schlicht nicht als das richtige Exemplar.&nbsp;<a href="https://stanforddaily.com/2013/04/09/i-am-not-your-gay-best-friend/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Cooper Williams hat das 2013 für den Stanford Daily beschrieben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: Schwule Männer werden reduziert auf eine Wundertüte voller sassy One-Liner und gehässiger Wortspiele. Der Gay Best Friend ist der entkörperte, entzahnte, ungefährliche schwule Mann. Er ist personal Shopper, emotionale Stütze und Resonanzboden in eine Richtung, dessen Identität nicht durch ihn definiert wird, sondern durch seinen Nutzen für sie. Er spiegelt, ohne selbst gespiegelt zu werden. Was das Muster so stabil macht: es tarnt sich als Freundschaft, als Akzeptanz und als Offenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Gay Best Friend als Figur ist nicht der Ursprung des Problems. Der Ursprung liegt 1974.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.themarysue.com/first-published-slash-fanfiction/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Diane Marchant veröffentlichte im Star-Trek-Fanzine&nbsp;<em>Grup</em>&nbsp;#3 eine rund 500 Wörter kurze Geschichte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, in der sich Kirk und Spock körperlich näherkommen. Keine Namen, verschleierte Pronomen – aber über dem Text eine Zeichnung von Marchant selbst: Kirk und Spock in einer Umarmung. „A Fragment Out of Time“ gilt als erste veröffentlichte Slash-Fanfiction überhaupt. Der Begriff „Slash“ kommt von diesem Schrägstrich: In der Fanzine-Kultur der 1970er Jahre signalisierte „&amp;“ zwischen zwei Charakternamen Freundschaft oder Abenteuer, während der Schrägstrich – Kirk/Spock – romantische oder sexuelle Bedeutung hatte. Diese Konvention wanderte mit der Community durch alle folgenden Jahrzehnte: Usenet-Mailinglisten, LiveJournal, fanfiction.net, und schließlich AO3, wo der Schrägstrich zwischen zwei Namen bis heute genau das bedeutet, was er 1974 bedeutete. Eine Frau hat das erfunden, für ein überwiegend weibliches Publikum, mit zwei männlichen Figuren als Hauptcharakteren und das Genre, das daraus entstanden ist, hat diese Grundkoordinaten in fünfzig Jahren nie verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Heated Rivalry</em>, die Serie, die gerade die Computa-Kommentare befeuert, begann als Stucky-Fanfiction. Stucky steht für Steve Rogers/Bucky Barnes, eines der meistgelesenen Pairings auf Archive of Our Own. Der Weg von Diane Marchants Geschichte in einem Star-Trek-Zine zu einem Amazon-Bestseller über zwei Hockey-Spieler ist kürzer, als er aussieht, weil es immer dieselbe Struktur ist: schwule Männer als Stars, hetero Frauen als Publikum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://electricliterature.com/why-are-so-many-gay-romance-novels-written-by-straight-women/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Claire Rudy Foster hat das 2018 für Electric Literature auseinandergenommen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: Die Autorinnen behandeln ihre Figuren wie Puppen – „She shoves the rubber faces together and smudges them against one another:&nbsp;<em>Now kiss.</em>“ Auf <a href="https://itsannamarie.substack.com/p/why-are-straight-women-obsessed-with" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Substack-Text von Anna Marie zur&nbsp;<em>Heated Rivalry</em>-Debatte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>&nbsp;liefert sie die Erklärung, die die Autorinnen selbst geben würden: Gay male content biete einen Raum, in dem Begehren ohne die üblichen Kosten möglich sei. Keine weibliche Protagonistin, mit der man sich messen oder durch die man objektiviert werden könnte. Die Dynamik, die Philosophieprofessorin Ellie Anderson als „female demand-male withdraw pattern“ beschreibt, also Frauen als Beziehungs-Pflegende, Männer die sich entziehen, fällt weg, wenn keine Frau in der Geschichte vorkommt, weil zwei Männer die emotionale Schwerstarbeit selbst übernehmen müssen. Die Sehnsucht dahinter ist nachvollziehbar. Ihre Konsequenz ist es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn was dieses Publikum verlangt, hat eine sehr spezifische Form. Autor Aaron Aceves, selbst bisexuell und Verfasser von&nbsp;<em>This Is Why They Hate Us</em> (Ich habe es gerne gelesen und empfehle das Buch hiermit weiter), hat das&nbsp;<a href="https://www.out.com/books/gay-books-by-gay-writers" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">in einem Out-Magazin-Artikel<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>&nbsp;präzise beschrieben: Wenn nicht-männliche Autorinnen für ein nicht-männliches Publikum schreiben, wird ihre Arbeit gefeiert, auch wenn sie Fehler machen oder etwas Problematisches schreiben. Wenn schwule Männer über ihre eigenen Erfahrungen schreiben, werden sie als gefährlich eingestuft, weil das Publikum an unrealistische oder desinfizierte Darstellungen schwuler Sexualität gewöhnt ist und authentischere Darstellungen schlicht nicht erkennt. Aceves wurde für seinen eigenen Roman beschuldigt, CSAM geschrieben zu haben, weil sein Protagonist mehr wollte als Händchenhalten. Das ist kein Zufall und kein Einzelfall, es ist die direkte Konsequenz davon, dass ein ganzes Genre schwuler Sexualität über Jahrzehnte ein Bild eingeschrieben hat, das mit der Realität schwulen Sexes so gut wie nichts zu tun hat. Die Szenen in diesen Büchern sind sauber, auf Konsumierbarkeit optimiert, auf eine bestimmte Vorstellung von schwuler Intimität zugeschnitten, die vor allem eines nicht sein darf: fremd. Zwei Männer, die sich zärtlich anschauen. Vielleicht ein Kuss (Ja, es gibt auch schwule Erotica von Frauen und selbst die ist bereinigt). Körper, die keine eigene Logik haben, keine eigenen Bedürfnisse, keine eigene Sprache sondern Projektionsflächen, die sich für alle Fantasien öffnen lassen. Was schwuler Sex tatsächlich ist, wie er sich anfühlt, was er bedeutet für Männer, die ihr Leben lang dafür verfolgt, pathologisiert oder unsichtbar gemacht wurden, das kommt in diesen Büchern nicht vor, weil es das Publikum stören würde. Und wenn ein schwuler Autor es trotzdem beschreibt, wird das nicht als Authentizität gelesen, sondern als Bedrohung. Die Ironie daran ist fast zu schön: Das desinfizierte Bild schwuler Sexualität gilt als normal. Das reale gilt als CSAM. Leser*innen hätten&nbsp;<em>Heartstopper</em>&nbsp;geliebt und dann sein Buch verrissen, schreibt Aceves.&nbsp;<em>They Both Die at the End</em>&nbsp;von Adam Silvera, einer der wenigen großen Erfolge eines schwulen Autors in diesem Genre, ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Verglichen mit den Verkaufszahlen und Verfilmungen von&nbsp;<em>Love, Simon</em>,&nbsp;<em>Heartstopper</em>&nbsp;oder&nbsp;<em>Heated Rivalry</em>&nbsp;sind schwule Autoren im eigenen Genre strukturell unsichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieselbe Logik, außerhalb des Buchmarkts: Ein&nbsp;<a href="https://www.reddit.com/r/gaybros/comments/1qc5oyp/heated_rivalrys_toxic_fandom_discourse/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Thread auf r/gaybros über&nbsp;<em>Heated Rivalry</em>&nbsp;und seine Fandom-Dynamiken<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> beschreibt, was passiert, wenn ein schwuler Mann zu offen schwul wird. Schauspieler Connor Storrie war begehrenswert, solange seine Queerness mehrdeutig genug war, um Projektionen zuzulassen. Als er unverkennbar und komfortabel schwul wurde, nicht durch ein Coming-out-Statement, einfach durch sein Auftreten, schlug die Begeisterung in Unbehagen um, in Nörgeln, in teils offen homophobe Untertöne. Gleichzeitig wird sein Co-Star Francois Arnaud von Teilen der Fanbase als „creepy“ und „zu alt“ bezeichnet, weil er als real existierender Mann die Fantasie stört. Ein 26-Jähriger wird in diesem Kontext als „Kind“ bezeichnet, das vor einem 40-Jährigen geschützt werden muss. Das geschieht nicht aus echtem Schutzimpuls heraus, sondern weil die parasoziale Projektion verteidigt wird. Queerness ist willkommen, solange sie konsumierbar und projizierbar bleibt. Der Moment, in dem ein schwuler Mann einfach ein schwuler Mann ist endet die Toleranz. Im Buchmarkt leiser, mit Verlagsverträgen. Im Fandom lauter, mit Hate-Kommentaren. Die Bedingung ist dieselbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum das gerade jetzt so intensiv eskaliert, hat einen Kontext, den&nbsp;<a href="https://www.vogue.com/article/is-having-a-boyfriend-embarrassing-now" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Chante Josephs Vogue-Artikel über Heterofatalismus<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> liefert. „Why does having a boyfriend feel Republican?“ stand als Top-Kommentar unter einem Podcast-Video. „Boyfriends are out of style.“ Content-Creator*innen verlieren Follower, wenn sie ihre Partner posten. Stephanie Yeboah, Autorin unter anderem für  British-Vogue, Elle und den Guardian, verlor nach dem Hard-Launch ihres Boyfriends hunderte Follower. Heterosexualität ist kulturell gerade ein Image-Problem. Das nicht weil Frauen aufgehört hätten, Männer zu begehren, sondern weil die politische und soziale Bilanz der Heterosexualität so düster ist, dass man sich öffentlich lieber davon distanziert. Das Begehren selbst geht allerdings nirgendwo hin. Es sucht also einen Kanal, der weniger peinlich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gay male content ist dieser Kanal. Man kann Männlichkeit begehren, Romantik zwischen Männern konsumieren, „Computa make these guys gay“ unter ein Bild zweier befreundeter Menschen schreiben ohne den sozialen Preis des&nbsp;<em>boyfriend girl</em>&nbsp;zu zahlen und ohne das kulturelle Stigma der Frau, die sich über ihren Mann definiert.&nbsp;<a href="https://www.bustle.com/p/why-i-want-straight-women-to-stop-telling-me-they-wish-they-were-gay-21095107" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Aoife Hanna hat für Bustle beschrieben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, was „I wish I were gay and in a mlm relationship“ wirklich bedeutet, wenn man es zu Ende denkt: keine Solidarität mit queeren Menschen, sondern die Sehnsucht, Männer begehren zu können ohne die politische Peinlichkeit der Heterosexualität. Schwule Männer werden zum Druckventil für eine Identitätskrise, die nicht ihre ist und zwar unter der einen Bedingung, die schon Aceves und Storrie sichtbar gemacht haben: dass sie projizierbar bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Fanfiction ist es kein großer Schritt zur Ästhetik.&nbsp;<a href="https://tsl.news/opinion-steal-aesthetic-pathetic/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ein Meinungstext aus dem Student Life<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>&nbsp;macht das konkret: Queere Ästhetik ist kein Selbstzweck, sondern ein Erkennungssystem. Weil Heteronormativität Heterosexualität als Default setzt, müssen queere Menschen aktiv signalisieren: durch Kleidung, Auftreten und Symbole, die für andere queere Menschen lesbar sind. Wenn diese Signale von cis hetero Menschen als Fashion-Statement übernommen werden, funktioniert das System nicht mehr. Man entwickelt Interesse an jemandem, der queere Codes trägt, und stellt fest, dass er oder sie sie als Dekoration benutzt. Das passiert täglich und hat reale Konsequenzen für reale Menschen. „Computa“ ist die digitale Entsprechung: queere Sexualität als Look, den man kurz anlegt, unter ein Video schreibt und wieder ablegt, ohne irgendetwas davon zu tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer junge TikToker (auch dieses video finde ich bestimmt wieder) sagt, Frauen hätten durch&nbsp;<em>Heated Rivalry</em>&nbsp;und <em>Computa</em> einen Fetisch entdeckt, „that they never realized they wanted„m nämlich ihre eigenen Partner, ihre Boyfriends, ihre Männer mit anderen Männern zu sehen. Er meint das deskriptiv, fast bewundernd. Was er dabei übersieht: das sind keine fiktionalen Charaktere mehr, das sind reale Menschen im eigenen Leben, die per Wunsch umsortiert werden. Und mit dem Aufstieg von KI-Bildbearbeitung ist „Computa“ inzwischen nicht mehr nur Kommentar-Slang. KI-generierte Edits realer Personen und Serienszenen kursieren, die exakt diese Logik technisch ausführen. Zwei Männer im Bild, Prompt ins Textfeld, fertig. Was dabei entsteht, teilt die Grundstruktur mit allem anderen, was wir über nicht-einvernehmliche sexualisierte Bildbearbeitung wissen: es geht nicht um die Person im Bild, es geht um das Recht, sie nach eigenen Vorstellungen umzuformen. Es geht darum Macht über die abgebildete Person auszuüben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich finde es bemerkenswert, wie selbstverständlich, mit welcher Leichtigkeit „Computa“ in die Kommentare geschrieben wird. Zwei Männer stehen nebeneinander? Computa. Zwei Freunde machen Urlaub? Computa. Zwei Kollegen lachen miteinander? Computa. Zwei Charaktere teilen sich drei Sekunden Screentime? Computa Computa COMPUTA!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe in TikTok Kommentaren versucht zu erklären, warum das doof ist. Andere haben es auch versucht. Mir ist in den Antworten dazu aufgefallen, mit welcher Hartnäckigkeit all das als Allyship verkauft wird. Es würde nämlich schwul-sein normalisieren. Ich sehe das anders. Wer unter jedes zweite Video von Männern „Computa, make these guys gay and horny“ schreibt, ist kein Ally.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer schwule Männer als romantische Dekoration konsumiert, aber reale schwule Männer unangenehm findet, sobald sie zu eindeutig schwul werden, ist kein Ally. Wer hunderte Male über zwei Männer fantasieren kann, aber bei einem schwulen Autor zusammenzuckt, sobald dessen Figuren tatsächlich wie schwule Männer reden, denken oder Sex haben, ist kein Ally.<br>Wer sein ganzes Verständnis schwuler Männlichkeit aus&nbsp;Heartstopper, Hockey-Romanzen und AO3-Tags bezieht und anschließend echten schwulen Männern erklärt, welche Darstellung von Schwulsein problematisch sei, ist erst recht kein Ally.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du dich jetzt ertappt fühlst: Herzlichen Glückwunsch. Endlich gibt es mal einen Text über dich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon ab habe ich ohnehin den Verdacht, dass ein beträchtlicher Teil der modernen Allyship aus Menschen besteht, die das Wort „slay“ sagen, Regenbogen-Emojis benutzen und sich für die Rechte queerer Menschen einsetzen, solange diese bitte weiterhin die Form von fiktionalen Briten mit perfekter Hautpflege und einem Slow-Burn-Romance-Arc behalten. Es gibt zum Glück einen einfachen Test: Leg die Fanfiction weg. Hör auf über zwei Hockeyspieler zu thirsten. Pack die Projektionsfläche weg. Und stell stattdessen einen echten schwulen Mann in den Raum. Einen mit komischen Hobbys, fragwürdiger Musik, schlechten Meinungen über deine Lieblingsserie und der unangenehmen Angewohnheit, eine vollständige Person zu sein. Wenn das Interesse dann schlagartig verschwindet, war es vielleicht nie Solidarität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn vielleicht bedeutet „Computa, make him gay“ am Ende gar nicht wirklich „make him gay“. Vielleicht bedeutet es eher: Mach ihn verfügbar. Für Fantasien. Für Projektionen. Für Sehnsüchte. Für Geschichten, die mit ihm mehr zu tun haben als über ihn. Und falls du nach der Lektüre dieses Textes noch immer das Bedürfnis verspürst, unter das nächste Video von zwei zufälligen Männern „Computa“ zu schreiben, habe ich ebenfalls einen Vorschlag: Mach mal Fenster auf Kipp und geh Gras anfassen. Frische Luft und ein bisschen erden soll ja manchmal ganz gut sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://bookmarks.jascha.wtf/?searchtags=computa-make-them-gay-and-horny" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Hier sind alle Links aus dem Artikel in einer Übersicht.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a></p>
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		<title>I Am Holding Your Hand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 08:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erzählt]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[queer]]></category>
		<category><![CDATA[story]]></category>
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					<description><![CDATA[You came to the party because you are a good ally.
I know.
I was watching.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 16</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">You found out about this party three weeks ago and have been thinking about it ever since.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not obsessively. You would object to that word immediately, even privately. But often enough that when Saturday finally arrived it already felt slightly familiar, like somewhere you had rehearsed being.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You mentioned it to people casually.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>There’s this thing this weekend.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">The careful tone people use for things that matter to them enough to risk embarrassment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But you thought about it afterward. On trains. While brushing your teeth. While standing in front of your wardrobe longer than usual on Thursday night, then pretending to yourself that wasn’t what you were doing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You looked up the venue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You looked at photos from previous nights. Dim lighting. Colored smoke. People posed together with the relaxed certainty of those photos people take when they do not expect to be looked at strangely afterward.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You tried to imagine yourself there.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Imagine me holding your hand. Imagine me holding it all the time because someone has to.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You wanted this to go well.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not just the party. Something slightly larger than the party. Whatever that was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are a good ally. This matters to you in ways both sincere and visible. You have done the reading. You know the words. Mostly you know when the words changed and what they changed into and how quickly you are supposed to update yourself afterward.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sometimes you still get one wrong, but you correct yourself fast enough that people can tell you are trying.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You know the difference between a safe space and a brave space.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You know the A stands for Ally.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I’ll come back to that.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You saw the flyer advertising the party three weeks ago, two weeks ago you so a story advertising it on social media.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And now here you are.</p>



<p class="wp-block-paragraph">At the door.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The bass reaches you first. Not loud exactly, but physical, somewhere low in your chest. The line inches forward. Someone ahead of you is wearing something that makes your eyes catch for half a second before sliding carefully away again, respectful in the way people are respectful when they are also startled.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You smooth your expression into something easy. Open. Interested but unsurprised.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are very good at this expression.</p>



<p class="wp-block-paragraph">God.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You have had years of practice.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The person at the door stamps your wrist. Someone behind you laughs loudly at something you didn’t hear. The curtain parts briefly as someone exits and for a moment you catch light, sweat, movement, music.</p>



<p class="wp-block-paragraph">A world already happening without you inside it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I’ll stay with you as long as I can.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The bar is at the back.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You move toward it the way people move toward bars at parties. It has very little to do with wanting a drink. Something to do with your hands. Something steady to grab on. Somewhere to arrive first before arriving anywhere else. .</p>



<p class="wp-block-paragraph">You order quickly. Whatever seemed easiest. Cold glass against your palm. Lime wedge. Ice shifting when you move.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You turn around.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Two men are kissing maybe two meters from you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">One of them has his hand in the other’s hair. The other one makes a small low sound and your eyes flick away almost immediately, quick enough that the movement barely exists.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maybe that quickness is practiced already. Maybe not. I guess you are used to do it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Something in your chest does a thing you do not have a clean name for yet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You look down at your drink.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ice. Condensation. Your thumb pressed too tightly against the glass for half a second before relaxing again.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In a minute or two you are going to decide you looked away to give them privacy.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The explanation will arrive softly and fit almost perfectly once it does. Respect. Courtesy. The instinct not to stare. You will settle into it because it resembles the kind of person you believe yourself to be, and not incorrectly, either. You are not inventing kindness where none exists.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But I was watching your face before the explanation arrived.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are not disgusted.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I need to say that carefully because you are already bracing yourself against being mistaken for someone cruel, and your are not. You do not want them gone. You are not angry they exist like this. Some part of you, the part that looked up the venue online, the part that stood in front of the wardrobe too long on Thursday night, is genuinely glad this room exists.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your body still reacted.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Straight couples kiss around you every day. Outside bars. In supermarket aisles. Paused halfway into taxis. Your eyes move across it effortlessly because the world trained them early and trained them constantly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">No one ever taught your body what to do with this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But your body noticed the difference before your politics could arrive and explain it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And then your politics arrived very quickly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You recover beautifully.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You lift your head. You take a sip. You smooth your expression back into the easy openness you assembled outside the door: relaxed, interested, unsurprised.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are very good at this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">God.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You have no idea how good at this you are.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Around you the party continues uninterrupted. Someone laughs near the bar. Someone squeezes past behind you with a hand briefly against your shoulder. The music goes on exactly as before.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The room did not change.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Only your awareness of yourself inside it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You find a spot near the wall and stand there for a moment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The room is warmer than you expected. The bass sits low in your chest, physical in a way that becomes almost pleasant once you stop resisting it. Somewhere behind you someone laughs loud, unselfconscious, a laugh that belongs to itself. The light is low and colored and everywhere you look people are dressed like versions of themselves they worked hard to be.</p>



<p class="wp-block-paragraph">It is, genuinely, beautiful.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You knew it would be. That part you pictured correctly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Let me ask you something.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not to catch you out. Just while we’re here, while you have your drink and your wall and this small pause before the next thing arrives.</p>



<p class="wp-block-paragraph">What did you think this was going to be?</p>



<p class="wp-block-paragraph">You had a picture. I know because I was there while you built it. The venue photos. The train journeys. Standing in front of the wardrobe on Thursday night pretending you were not standing there for this specifically.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I watched you assemble the evening carefully.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And the picture was not wrong.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Just incomplete in some very particular ways.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You pictured the dancing. The kind of joy straight parties occasionally stumble into for thirty seconds at a time and then immediately lose again. The feeling of a room that has stopped monitoring itself so closely. You’ve been somewhere like this before, maybe once or twice, and that part was real and I’m not taking it away from you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You pictured the beauty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">People who have worked very hard to look exactly like themselves. Bodies that have decided something and arrived there. You wanted to be near that.</p>



<p class="wp-block-paragraph">There is nothing wrong with wanting to be near that.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maybe you even hoped some of it might reach you through proximity. That standing inside a room like this long enough might loosen something in you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I understand that better than you think I do.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But your forgot to picture something.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You did not picture that sound from the bar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You did not picture the person you passed in the corridor when you arrived. I did not talk about them because I forgot for a moment what I am here for. They wore a harness, bare chest, complete stillness. They glanced at you with a serene indifference that somehow made you more uncomfortable than being stared at would have.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You noticed yourself being noticed by no one.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You did not picture whatever is happening behind the toilet door, which we will get to. Just a moment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yes, I am still holding your hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You pictured queerness as atmosphere. Warmth and low lighting and freedom rendered aesthetic enough to feel welcoming from a safe distance. Different enough from your life to feel interesting. Close enough to still feel manageable.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And this is beautiful. I mean that.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But beautiful here includes people who stopped asking themselves all the time whether they are being too much.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beautiful here includes bodies that are no longer negotiating.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bodies that are not arranging themselves automatically around the comfort of strangers. Bodies that learned, somewhere along the way, to stop apologizing before they even entered the room.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You came to a queer party.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I wonder whether you knew, when you decided almost immediately when you saw the flyer and then worried afterward.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The room does not know you are still figuring it out.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The music shifts into something better and you move with it the way you have been wanting to since you arrived: less carefully, less consciously, just for a moment inside the warm press of the crowd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This part feels good.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This part you were right about.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He drifts into your orbit the way dancing works when the floor is full and the song is right. Proximity becomes something for a while. He moves well. He catches your eye and smiles and leans in. The music is loud, it requires leaning, and says something like hey, having a good time?</p>



<p class="wp-block-paragraph">And you say: thanks, I’m not—</p>



<p class="wp-block-paragraph">Some version of the sentence. Gay. Into guys. Like that. The information arrives out of your mouth before you have consciously decided to offer it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He nods once and drifts back into the crowd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I want to stay here with you for a moment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The music hasn’t changed. The room hasn’t changed. Nothing has changed except that you did something just now, and I watched it happen, and I am going to stay very close to you while we look at it together. And I will hold your hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Up until this moment I have been watching you fail at comfort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The eyes that moved too quickly from the bar. The thumb pressed too hard against the glass. Your body running half a beat behind your convictions.</p>



<p class="wp-block-paragraph">These things I understood.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I do not understand this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He asked whether you were having a good time. That was the whole question. A small ordinary opening made by someone who wanted, perhaps, to dance with you for another song, or talk for a while, or simply let the night continue in the direction nights sometimes go when the music is right and two people happen to meet inside it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You could have said yeah, you?</p>



<p class="wp-block-paragraph">You could have said great track or I just got here or not right now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You could have smiled. You could have nodded. You could have let the moment remain exactly as small and ordinary as it already was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Instead you told him what you are not.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He did not ask.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your sexuality was not the relevant information in the room until you placed it there yourself, a small flag planted in the ground of someone else’s space.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I’m not.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not what, exactly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am holding your hand. But differently now. To keep you still while you look at yourself clearly, because I think you owe yourself that much.</p>



<p class="wp-block-paragraph">What happened at the bar was older than you. Older than your politics. Older than the version of yourself that learned the right language and wanted sincerely to become better than the things it inherited.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This wasn’t that old.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You felt the distance open and rushed to manage it before anyone else had to decide whether it existed.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Present but legibly separate. Supportive but safe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You reached for the nearest exit that did not require leaving the room.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And in doing so, you made your discomfort his problem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He navigated it without missing a beat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Of course he did.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He was gracious because he has practiced this moment before.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Many times.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enough times that he knew exactly how to step backward without making you feel ashamed for asking him to.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enough times that the movement has probably become automatic by now becasue it needed to.</p>



<p class="wp-block-paragraph">There are people here tonight who are genuinely glad to see him. People whose bodies loosen when he walks into the room. People who scan the crowd looking for him specifically.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So he let you go easily.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The alternative would have cost more energy than the interaction was worth.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I need you to understand something difficult now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are not uniquely cruel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In some ways that would almost be simpler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are thoughtful. You vote correctly. You came here on purpose. You are trying very hard.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And still, when the moment arrived — when another man moved close enough to become briefly possible — you reached instinctively for reassurance that you remained outside the possibility yourself.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not outside the room.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Outside the implication.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He was gracious.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You did not ask what that cost him.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Most people never do.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You need the toilet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The corridor is narrow. Someone passes you going the other direction and for a moment there isn’t quite enough space, and you are closer to a stranger than the evening has yet required. You find the door. You push it open.</p>



<p class="wp-block-paragraph">There are three men in the first stall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The door cannot close. There is simply not enough room for it to close. One of them is on his knees. The arithmetic is straightforward. The two standing men have their eyes closed. One has his hand flat against the tiled wall. All three are completely unbothered by your arrival.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The light is very bright the way bathroom lights are always very bright. There is a crack in one of the tiles near the sink. There is a sticker on the mirror that has been mostly peeled away and left a pale ghost of itself behind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are looking at these things very carefully.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Let me describe what your body is doing right now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not what you think about it. Not what you will decide it means in approximately four minutes when you are back in the warm dark of the party and need it to become something manageable. Just the data, as it is currently arriving.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your shoulders have come slightly forward. There is tension across the back of your neck that wasn’t there when you left the dancefloor. Your breathing has changed. It is shallower now, more deliberate, the careful breathing of someone trying not to react visibly. Your eyes have found the wall. The crack. The ghost of a sticker. Anywhere that is not the stall. Anywhere that is not right in front of you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your body is in a state of containment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This is not a moral response.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your body does not have morals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I want to ask you something.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Have you never wanted to fuck in a club toilet? Done it? Thought about it at a party when the music was right and someone was close enough that the distance felt like a decision?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Because that is all this is.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Three people found each other and a space and a shared interest. The door doesn’t close because there isn’t enough room. That is a logistical inconvenience.</p>



<p class="wp-block-paragraph">None of this was intended for you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your reaction arrived anyway.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And yet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The neck. The breath. The very particular relationship you have developed with that crack in the tile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am holding your hand calmly. Very calmly now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I want you to think about a different bathroom. A different night, probably years ago. A urinal. Another man arriving at the one beside you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Just a man. Just a urinal. The ordinary geometry of a men’s bathroom.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The same shoulders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The same neck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The same eyes locating the wall with that precise military discipline, because somewhere in your immediate vicinity there was a body that wasn’t yours and the possibility, just the physical fact of proximity made something in you seal completely shut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This was put inside you long before you learned the right language. Long before you looked up the venue or stood in front of the wardrobe on Thursday night. Long before the version of yourself that reads and votes and tries.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Men are not supposed to see each other.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noone said that loud to you. But it got transmitted to you with extraordinary precision across locker rooms and urinals and changing areas and every doorway that was too narrow, every careful calibration of angle and distance and eye contact and what looking might mean and what being seen looking might mean.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You have been doing this your entire life.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your body knows this room.</p>



<p class="wp-block-paragraph">It just did not expect to have to know it here.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You have been aware of the corridor for a while now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not consciously. Or not only consciously. It has existed at the edge of your attention all evening the way certain things exist when you are trying very hard not to look directly at them.</p>



<p class="wp-block-paragraph">A direction you have repeatedly oriented away from.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are very practiced at this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The bar. The wall in the bathroom. The man who only wanted to dance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You know how to keep your eyes moving.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And yet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Here you are.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The corridor ends in a heavy curtain.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beyond it: not silence.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The opposite of silence, though quieter than you expected. Sounds absorbed into darkness. Low voices. Breath. Something rhythmic that is not music.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nothing ambiguous about any of it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You stop a few feet away.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am not going to explain anything right now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am just going to stay here with you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your body is doing something you have not learned how to categorize yet. Not the containment from the bathroom. Not the rapid management from the bar. Something less organized than either of those.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Something that has not decided whether it is fear or wanting.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are curious.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Do not rush past these words.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are curious or something very close to curious and you have been standing here longer than you intended to and the curtain is close enough now that entering would require almost no movement at all.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nobody in this building is watching you make this decision.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are not making it anyway.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are not going in.</p>



<p class="wp-block-paragraph">That is fine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I meant what I said before. This is not a test you fail by refusing entry. People who belong to this world also sometimes do not go through that curtain. Desire is not a referendum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But I am holding your hand because otherwise you might run.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I just mean your body has spent a lifetime fleeing rooms before they could ask questions you were not prepared to answer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And for once, tonight, you are still standing here.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The curtain shifts. Someone emerges and passes beside you back into the party. They do not look at you. Neither dismissively nor kindly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are simply a person standing near a curtain.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The night continues around you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are still here.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I need to tell you something now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This night had stopped a long time ago being about allyship.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maybe at the bar. Maybe in the bathroom. Maybe earlier than that. Maybe the moment you decided so quickly and then worried afterward what your eagerness might reveal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I don’t know.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But the person standing here now is not standing here because he wants to be a good ally.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The person standing here is standing here because something on the other side of that curtain has reached inside him and touched something that does not yet have language.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You do not have to go in.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You do not have to name anything tonight.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But I need you to stop pretending foreignness.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You recognize something in there.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maybe faintly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maybe only enough to frighten you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">That is enough for tonight.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You find the party again.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Or you find the version of yourself that can still exist inside the party. Shoulders slightly back, drink in hand, expression reassembled. Whatever happened in the corridor is still with you. You can feel it there, somewhere just beneath the surface. But it has been carefully moved aside for now, placed where you can not reach it immediately.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The party continues.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You continue with it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And then someone announces the show.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Something in you relaxes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Something to watch. Somewhere to put your eyes. An event with a structure and a beginning and an end, something that asks only that you stand here with your drink and be an audience for a while.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You have been to drag shows before.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are not prepared for this one.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She comes out and she is not what you expected and I am watching you recalibrate in real time.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This is not like television. Not wit and precision arranged carefully for an audience that still needs to be won over.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She is enormous and raw and she takes up the stage the way weather takes up a sky, and the room meets her with a sound that comes from somewhere low and collective, and the smile on your face arrives half a second behind everyone else’s.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The number is sexual.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She is doing things with her body that are specific and unapologetic and directed at nobody in particular in the same way the dark room was directed at nobody in particular which is to say everathing is directed at anyone willing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The room is willing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The room is ecstatic.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And somewhere around the eight minute you have a thought.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You do not say it. You know better than to say it. But it moves through you quickly and I catch it before it disappears.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Does it have to be this sexual.</p>



<p class="wp-block-paragraph">There it is.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I want you to notice what just happened.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thirty minutes ago you were standing in a corridor with your hand almost close enough to touch a curtain. Something reached inside you there and brushed against something that does not yet have a name. You stood still with it longer than you have stood still with anything like it in years.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Then you came back to the party.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And then the show started.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And the show gave you somewhere to put it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Does it have to be this sexual is a very useful thought when what you need is distance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Because the question places the discomfort out there on the stage instead of back in the corridor where you left it waiting for you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am holding your hand. Not to comfort you but to keep you from letting that explanation work too easily.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Because here is what she is doing up there.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She is doing the thing you could not do at the curtain.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She is inhabiting it publicly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Without calibrating herself toward the room. Without asking whether anyone present needs her to become smaller first. She decided something about her body, about her desire, about what she will and will not ask permission for and she is living that decision in front of two hundred people and the decision does not flinch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You have spent this entire evening managing your body.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She has spent this entire number unleashing hers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And still:</p>



<p class="wp-block-paragraph">does it have to be this sexual.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am holding your hand while I say this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">People like to say queer people are hated for love.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Because love is easy to defend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Love behaves well in public. Love makes a clean argument. Love fits comfortably inside the language of tolerance and dignity and equal rights and all the careful respectable frameworks that allow everyone else to feel generous at a safe distance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But that is not what frightens people most.</p>



<p class="wp-block-paragraph">It is this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The body that stopped apologizing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The desire that stopped negotiating.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The person on that stage who looked at every rule about what bodies are supposed to do and where and in front of whom and quietly decided no.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are frequently on the not-available-to-you side of that refusal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And standing here watching her, some part of you is relieved by the distance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">She finishes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The crowd is on its feet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You clap.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genuinely. Because she was extraordinary and some things get through regardless.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But you are also, quietly, relieved.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And behind you, down the corridor, the curtain is still there.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The show did not answer the question.</p>



<p class="wp-block-paragraph">After the show the crowd shifts and you drift with it and somewhere past midnight you find a low couch in a corner and sit down.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Your legs were tired and the couch was there.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You sit with your drink and you do not compose your face.</p>



<p class="wp-block-paragraph">There is no face left to compose.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He sits down beside you. He looks at you the way some people look at you and says:</p>



<p class="wp-block-paragraph">rough night?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not unkindly. Almost amused.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You say:</p>



<p class="wp-block-paragraph">is it that obvious?</p>



<p class="wp-block-paragraph">And he laughs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Not at you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">It is not that kind of laugh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Here I want to disappear for a while.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You talk. About the show, about the music, about nothing in particular and then something more particular and then back to nothing again. He is funny without requiring you to keep up. You say something honest and he answers honestly and for a while you are simply two people on a couch at a party at one in the morning and the night is still warm around you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nothing is being taught here.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This is the part I have been waiting to give you all night.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He finishes his drink and sets it down and something in you understands immediately that the conversation is ending.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You realize you do not want it to.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He says:</p>



<p class="wp-block-paragraph">you should come back when you’re ready.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You watch him move back into the party.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He does not look back.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You sit for a moment in the space he left behind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The couch is still warm where he was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Down the corridor, behind you, the curtain is still there.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The question is still waiting.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are still here.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I am still holding your hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are going to want to leave this night with a flattering story about yourself.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Be careful with that.</p>



<p class="wp-block-paragraph">A story in which you were uncomfortable in all the correct, politically respectable ways. A story that you are one of the good ones.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You love being one of the good ones.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meanwhile half this party had to spend the evening navigating your need to repeatedly clarify that nobody should accidentally mistake you for queer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Do you understand how tiring that is.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The man at the bar managed it for you. The man on the dancefloor managed it for you. I managed it for you all night long instead of enjoying the party.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And people were still kind to you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kinder than you seem able to fully register.</p>



<p class="wp-block-paragraph">He was gracious.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You did not ask what that cost him.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Most people never do.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Every time the room moved too close, every time something reached toward you before you had language for it, you rushed to place yourself safely outside the implication. Outside the possibility. Outside the line of fire.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You kept announcing what you were not.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nobody here asked.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The man on the couch left the door open for you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">That was kind of him.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But kindness and inclusion are not the same thing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You belong in a room when the people inside it are relieved you arrived.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You are not there yet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maybe one day you will be.</p>



<p class="wp-block-paragraph">That part is yours now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And before you go:</p>



<p class="wp-block-paragraph">the A does not stand for Ally.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I told you I would come back to that. You can have one of the letters when you are ready.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I think some part of you knew it the moment you walked into the room. I think that may be why you spent the whole night trying so hard to wedge yourself somewhere inside the acronym anyway.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The music is still playing somewhere behind you.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You know the way home.</p>



<p class="wp-block-paragraph">And I am done holding your hand now.</p>



<p class="wp-block-paragraph">There are people here I would actually like to dance with.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I would like another drink. I would like to stop watching you watch yourself. I would like, for at least the rest of the night, to be inside this room instead of explaining it to someone standing carefully at the edges of it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">You know the way home.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Go.</p>
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		<title>Unfertig ist auch eine Form</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 08:57:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Publizieren]]></category>
		<category><![CDATA[queer]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichen]]></category>
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					<description><![CDATA[Queeres Schreiben heißt, Form aufzubrechen, bis sie wieder atmet.
Kein Manifest, kein Regelwerk – nur ein Text, der nicht gefallen will, sondern fühlen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 3</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Essay-Versuch über queeres Schreiben, Publizieren und das Nicht-gefallen-Wollen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe, seit ich einen Verlag hatte, immer wieder darüber nachgedacht, was das eigentlich ist: queeres Schreiben. Queeres Publizieren. Ich habe Texte gelesen, Texte gemacht, Texte verkauft – und irgendwann meinen Verlag verkauft. Ohne eine Lösung zu haben. Ohne zu wissen, was das überhaupt bedeutet: <em>queer publizieren.</em> Jetzt, ohne Publikationszwang, ohne Kalkulation, hatte ich Zeit, lange nachzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube nicht, dass queere Texte einfach nur Texte <em>über</em> queere Menschen sind. Oder Texte <em>von</em> queeren Menschen. Das wäre zu einfach. Queeres Schreiben ist keine Kategorie. Es ist ein Vorgang, eine Geste, ein Widerstand. Ein Text ist queer, wenn er sich Kategorien entzieht – so wie sich queere Körper der Kategorisierung entziehen. Denn man kann nicht sagen: <em>der Körper ist queer.</em> Man kann es nicht sehen, nicht messen, nicht festhalten. Man wüsste sonst auch, welcher Körper <em>nicht</em> queer ist – und das wissen wir nicht. Queerness ist kein Merkmal. Sie ist eine Bewegung. Eine Verweigerung. Eine Art, im Dazwischen zu existieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein queerer Text ist nicht queer, weil er Homosexualität abbildet oder weil sein Autor queer ist. Er ist queer, wenn er sich weigert, brav zu funktionieren. Wenn er sich der Lesbarkeit entzieht. Wenn er nicht in Regale passt – Roman, Drama, Drehbuch, Prosa, Lyrik – sondern alles davon ist, und nichts davon. Ich will, dass meine Texte sich gegen ihre eigene Form auflehnen. Dass sie kippen, brechen, springen. Dass sie sich weigern, abgeschlossen zu sein. Dass sie widersprechen, sich selbst sabotieren, an ihren eigenen Grenzen entlangschrammen. Das ist, was Queerness mit Sprache macht: Sie queert sie. Sie macht sie unrein, unfertig, unbrauchbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das, was ich schreibe, soll kein Produkt sein. Kein Stoff für Netflix. Kein Stoff für Preise. Kein Stoff für Lesungen mit Applaus und Sekt danach. Ich will das unspielbare Theaterstück, das unlesbare Drehbuch, das unübersetzbare Gedicht. Ich will das Buch, das sich beim Lesen selbst zerlegt. Ich will, dass der Text so queer ist, dass er sich weigert, Text zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Queerness ist eine Ästhetik des Dazwischen. Sie lebt vom Fragment, vom Sprung, vom Nebeneinander. Queeres Schreiben darf nicht rund sein. Es muss stolpern. Es muss klingen, als würde jemand atmen, als würde jemand leben. Nicht überleben. Wir haben schon genug Überlebensliteratur. Ich will Texte, die leben, die zittern, die schwitzen, die lachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Widerständigkeit heißt nicht nur, gegen Systeme zu schreiben, sondern auch gegen die Formen, in denen diese Systeme denken. Gegen die Normen, die uns sagen, was ein <em>richtiger</em> Körper ist, was ein <em>richtiges</em> Leben ist, was eine <em>richtige</em> Geschichte ist. Queere Menschen werden angefeindet, weil sie mit ihren Körpern machen, was sie wollen. Weil sie Grenzen verschieben, Formen auflösen, Kategorien in Frage stellen. Warum also sollten unsere Texte anders sein? Warum sollten sie brav bleiben, angepasst, ästhetisch, wohlgeformt? Unsere Körper sind nicht normgerecht. Unsere Sprache darf es auch nicht sein. Ich will die Form kaputt machen, weil die Form mich kaputt gemacht hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das muss man lernen. Oder verlernen. Ich auch. Ich schreibe immer noch zu ordentlich, zu geschlossen, zu lesbar. Ich versuche, mich an den Rand zu schreiben und merke, wie die alten Strukturen mich zurückziehen – Grammatik, Dramaturgie, gutes Timing. Ich bin nicht gut darin, sie zu sprengen. Aber ich will es sein. Ich will mehr wagen. Mehr probieren. Schreiben, ohne zu wissen, wohin. Texte, die nicht performen, sondern atmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum haben wir so oft queere Wut, aber so selten queeres, ruhiges, entspanntes Atmen in einem Text? Warum können wir Zärtlichkeit nur im Schmerz zeigen, Ruhe nur im Bruch? Vielleicht, weil wir gelernt haben, dass unser Dasein immer schon ein Protest ist. Dass selbst unser Atem politisch gelesen wird. Vielleicht müssen wir auch das entlernen: dass ein Text nur gilt, wenn er kämpft. Vielleicht darf er auch einfach existieren. Sanft. Zärtlich. Ohne Rechtfertigung. Vielleicht ist das die radikalste Form von Widerstand: ein queerer Text, der ruhig atmet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vielleicht muss sich auch die Publikation ändern. Queere Texte, die nur in PDF-Format oder schönem Satz existieren, verraten sich selbst ein Stück weit. Wo sind die Texte, die ihre Körper behalten dürfen? Die Handschriften, die Ränder voller Notizen, die Korrekturspuren, die kaum zu entziffern sind? Wo sind die Faltungen, die Flecken, die Eselsohren? Wir haben Zines, ja. Aber was, wenn auch das Buch selbst queer sein darf – unfertig, widersprüchlich, handwarm?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist auch der Moment, etwas Unfertiges, aber Verstehbares in die Welt zu lassen. Etwas, das nicht alles erklären muss, aber zeigt: dass das Offene, das Wackelige, das Nicht-Ganz-Fertige auch schön sein kann. Vielleicht sogar ehrlicher. Unsere Texte – und ihre Formen – müssen niemandem gefallen. Nur uns selbst. Und wir müssen bereit sein anzuerkennen, dass sich Queerness vielfältig äußert, auch wenn wir das nicht immer verstehen, nicht immer mögen, manchmal sogar ablehnen. Das ist das Schwierige daran: zu wissen, dass auch das, was uns fremd ist, queer ist. Ich arbeite noch daran. Am Nicht-Verstehen. Am Nicht-Urteilen. Am Zulassen. Aber vor allem daran, laut zu bleiben. Wütend, weich, widersprüchlich. Ich will, dass meine Texte brennen dürfen und atmen, gleichzeitig. Dass sie stolpern, schreien, flüstern, tanzen, weinen – und sich weigern, sich zu schämen. Dass sie alles sind, was ich bin: unfertig, überfordernd, queer. Und vielleicht ist genau das das Ziel: nicht perfekte Texte zu schreiben, sondern welche, die leben.</p>
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		<title>Kunstfremde Erwägungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2025 09:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[KLP]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[ch habe gerade die sogenannte "Resolution zur KLP-Nominierung 2025" des Aktionsbündis "Fantastik und Gesellschaft" gelesen, und ehrlich gesagt brauchte ich erstmal einen Moment, um diesen grandiose Bullshit zu lesen. Weil Bullshit. Aber das soll mich ja nicht abhalten, darüber ehrlich empört zu bloggen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 4</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe gerade die sogenannte „<a href="https://fantastikundgesellschaft.de/2025/05/14/die-affaere-kemmler-resolution-zur-klp-nominierung-2025/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Resolution zur KLP-Nominierung 2025<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>″ des Aktionsbündis „Fantastik und Gesellschaft“ gelesen, und ehrlich gesagt brauchte ich erstmal einen Moment, um diesen grandiose Bullshit zu lesen. Weil Bullshit. Aber das soll mich ja nicht abhalten, darüber ehrlich empört zu bloggen.</p>



<span id="more-2808"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Einordnung: Der <a href="https://www.kurd-lasswitz-preis.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Kurd-Laßwitz-Preis<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> (KLP) ist der wichtigste deutschsprachige Preis für Science-Fiction-Literatur, benannt nach dem deutschen Physiker und SF-Pionier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurd_Laßwitz" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Kurd Laßwitz<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>. Seit 1980 wird er jährlich in verschiedenen Kategorien vergeben – von Romanen über Kurzgeschichten bis hin zu Übersetzungen und Cover-Illustrationen. Die Nominierungen erfolgen durch ein Vorauswahlgremium, das aus Mitgliedern der deutschsprachigen SF-Community besteht. Der Preis gilt als bedeutendes Gütesiegel innerhalb des Genres (auch wenn manche da gerne drüber streiten).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was in der vorliegenden Resolution als „Affäre Kemmler“ (wenn man in den Slug schaut, stand das nämlich vorher in der Überschrift) dramatisiert wird, ist im Kern ein normaler Vorgang: Eine Jury hat eine nominierte Cover-Illustration nach inhaltlicher Prüfung abgelehnt. Dass dies nun zum Anlass genommen wird, die Bewertungskriterien des Preises grundlegend reglementieren zu wollen, nun, das kann man wollen, ist aber nicht wirklich klug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fangen wir mit meinem persönlichen Highlight an:&nbsp;„kunstfremde Erwägungen“. Was zur Hölle soll das sein? Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Die Unterzeichner fordern, dass bei der Beurteilung von Kunst „unter Ausschluss aller kunstfremden Erwägungen allein künstlerische und kunstwissenschaftliche Kriterien anzuwenden“ seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aha. So so. Interessant. Also folgende Frage: Seit wann existiert Kunst im luftleeren Raum? Seit wann ist Kunst losgelöst von gesellschaftlichen Kontexten, von Machtverhältnissen, von der Frage,&nbsp;<em>wen</em>&nbsp;sie darstellt, <em>wie</em>&nbsp;sie darstellt und&nbsp;<em>was</em>&nbsp;sie damit macht? Die ganze Idee einer „reinen“ Kunstbetrachtung, die sich nicht mit so lästigem Kram wie Sexismus, Rassismus oder anderen „ideologischen“ Überlegungen befassen muss, ist selbst eine Ideologie – und zwar eine ziemlich bequeme für diejenigen, die von bestehenden Machtstrukturen profitieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Unterzeichner als „kunstfremd“ bezeichnen, ist in Wahrheit genau das, was Kunstkritik halt so macht: Kunst in ihrem gesellschaftlichen Kontext zu analysieren. Zu fragen, welche Normen sie reproduziert, welche Perspektiven sie marginalisiert, welche Machtverhältnisse sie stabilisiert oder destabilisiert (der Satz ist nicht von mir, den hab ich mal wo gelesen). Das ist nicht „kunstfremd“ – das&nbsp;<em>ist</em>&nbsp;Kunstwissenschaft (oder wie auch immer das Fachwort heißt).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich: Wenn man selbst der Meinung ist, dass ein Cover mit einer bestimmten Darstellung von Weiblichkeit völlig unpolitisch und „einfach nur schöne Kunst“ ist, dann erscheint jede Kritik daran als „Moralapostelei“. Das ist die klassische Bullshitterei: Die eigene Position als neutral und objektiv zu deklarieren, während jede abweichende Meinung als „ideologisch motivierte Pseudoargumentation“ hingestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Lustige dabei? Die Resolution&nbsp;<em>selbst</em>&nbsp;ist durch und durch ideologisch. Sie kämpft für eine spezifische Vorstellung davon, was Kunst sein darf und wie sie beurteilt werden soll – nämlich so, dass bestimmte Darstellungen nicht kritisiert werden dürfen. Das ist keine Verteidigung künstlerischer Freiheit, sondern der Versuch, Kritik mundtot zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann dieser herrliche Satz: „Vermeintlicher Sexismus, gegen den die Keule in Wahrheit aus Sexual- und Lustfeindlichkeit geschwungen wird“. Ah ja. Wer Sexismus kritisiert, ist in Wahrheit lustfeindlich. Als ob feministische Kunstkritik nicht gerade dafür kämpfen würde, dass Sexualität und Lust jenseits von objektivierenden, einseitigen und machtdurchtränkten Darstellungen existieren können. Aber nein, natürlich: Kritik = Zensur = Lustfeindlichkeit. Ich kann es nicht mehr hören/lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forderung, dass ein Preiskomitee nicht bestimmen dürfe, „was Diskriminierung ist“ – ich sag mal so, ich bin mir sehr sicher, dass die meisten Komitees (ich habe das Plural erstmal heraus suchen müssen) selbst entscheiden, was sie als diskriminierend erachten. Da war der KLP auch schon mal sehr viel schlechter aufgestellt als momentan. Jetzt ist es aber so: die Jurymitglieder haben eine Entscheidung getroffen – und die Unterzeichner können es nicht ertragen, dass ihre Ästhetik, ihre Werte, ihre Vorstellung von „guter Kunst“ nicht mehr unhinterfragt akzeptiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verweis auf die „Wokeness-Ideologie„bringt mich auch direkt wieder ein bisschen in Rage. Ein Kampfbegriff ohne inhaltliche Substanz, ein Platzhalter für alles, was die eigene Weltanschauung infrage stellt. Dass ausgerechnet diese Resolution dann von einem „hohen Stellenwert des Preises“ spricht, während sie gleichzeitig versucht, dessen Bewertungskriterien zu diktieren, ist tragikomisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was am Ende bleibt: eine Gruppe von Menschen, die spüren, dass ihre ästhetischen und politischen Vorstellungen nicht mehr selbstverständlich sind, versucht verzweifelt, diese als objektive Maßstäbe zu deklarieren und anderen aufzuzwingen. Aber Kunst war nie unpolitisch, und Kunstkritik schon gar nicht. Wer das nicht wahrhaben will, sollte vielleicht weniger über „kunstfremde Erwägungen“ reden und mehr darüber nachdenken, was die eigenen blinden Flecken sind. Es ist halt auch einfach bitter, wenn man merkt, dass die eigene Deutungshoheit bröckelt (been there, done that) – aber das als Angriff auf die Kunst zu framen, ist dann doch etwas einfach, ne?</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph">Lena Richter hat auf <a href="https://bsky.app/profile/catrinity.bsky.social/post/3m222ohhyls27" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bluesky heraus gearbeitet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, wer denn einige diese Erstunterzeichner*innen sind. Das sind schon so einige, die aufgrund ihrer Position als Herausgeber oder Verlagsinhaber recht einflussreich sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Michael K Iwoleit: Gründe rund Herausgeber SF-Magazin <a href="https://www.pmachinery.de/imprints/nova-magazin-fuer-spekulative-literatur" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">NOVA<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Michael Haitel: Inhaber Verlag <a href="https://www.pmachinery.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">p.machinery<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>René Moreau und Hans Jürgen Kugler: Herausgeber SF-Magazin <a href="https://www.pmachinery.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Exodus<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Walter Jost und Silvia Elsbernd-Reuter: Redaktion Magazin „<a href="https://science-fiction-times.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Science Fiction Times<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">davon inspiriert habe ich weiter gesucht:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heinz J. Baldowé schreibt für diverse SF Magazin, zuletzt für die <a href="https://online.fliphtml5.com/dhoji/khmv/#p=1" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SF Nachrichten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> (Achtung, Musik geht an)<br>Hans-Ulrich Böttcher, <a href="https://www.pmachinery.de/archive/8761" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autor<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> bei NOVA<br>Dieter Braeg, <a href="https://germansfwiki.org/index.php/Dieter_Braeg#Bibliografie" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SF-Autor und Journalist<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Ronald M. Hahn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_M._Hahn" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autor und Übersetzer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, KLP-Preisträger<br>Walter Jost, Herausgeber der <a href="https://germansfwiki.org/index.php/Walter_Jost" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SF-Nachrichten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Olaf Kemmler war NOVA Herausgeber und ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Kemmler" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autor, KLP-Preisträger<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Hans Jürgen Kugler, <a href="http://www.fehlerlos.net" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autor, Herausgeber, KLP-Preisträger<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Marianne Laibach, <a href="https://mluniverse.wordpress.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autorin<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, u.a. bei NOVA und veröffentlicht sehr viel bei <a href="https://mluniverse.wordpress.com/meine-veroffentlichungen-2/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">p.machinery<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Horst Pukallus, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Pukallus" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SF Autor und Übersetzer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a><br>Thomas Sebesta, Herausgeber „<a href="https://sebesta-seklit.net/thomas-sebesta-im-interview/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Treffpunkt Phantastik<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>„<br>Christian Steinbacher, <a href="https://christiansteinbacher.at" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autor<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, u.a. für NOVA<br>Michael Tillmann, <a href="http://www.michaeltillmann.de/bibliographie.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Autor<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, u.a. für Exodus</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie es Lena so schön sagte: Macht mit der Info was ihr wollt.</p>
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		<title>Zeigen wir, was geht, solange niemand gendern will*</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 09:24:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Akzeptanz]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
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					<description><![CDATA[Die FDP Bremen ist empört über ihren Ausschluss vom Bremer Christopher Street Day 2025 und wirft den Veranstaltern "Intoleranz" vor. Fraktionschef Thore Schäck spielt das Opfer und behauptet, der CSD bekämpfe genau das, was er fördern wolle: Toleranz für alle. Natürlich ist sich ein FDPler nicht zu blöd, mit diesem Argument zu kommen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 3</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=54605" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Die FDP Bremen ist empört über ihren Ausschluss vom Bremer Christopher Street Day 2025 und wirft den Veranstaltern „Intoleranz“ vor.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> Fraktionschef Thore Schäck spielt das Opfer und behauptet, der CSD bekämpfe genau das, was er fördern wolle: Toleranz für alle. Natürlich ist sich ein FDPler nicht zu blöd, mit diesem Argument zu kommen. Aber was ist denn eigentlich jetzt genau passiert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die FDP wurde ausgeschlossen, weil sie einen Antrag gestellt hatte, der „<a href="https://www.bremische-buergerschaft.de/dokumente/wp21/land/drucksache/d21l0659.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Schluss mit Gendersprache im öffentlichen Dienst<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“ forderte. Schäck bezeichnete geschlechtergerechte Sprache als „Gender-Unsinn“, „Fantasiesprache“ und „Verunglimpfung“ der deutschen Sprache. Das ist die gleiche die Sprache, mit der queerfeindliche Akteure systematisch die Existenz von trans, inter und nicht binären Menschen angreifen. Es fehlt nur noch „Gender Gaga“ im Vokabular von Schäck, dann wäre meine Bingokarte voll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Toleranz versus Akzeptanz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Denkfehler der FDP liegt in der Verwechslung von Toleranz und Akzeptanz. Toleranz bedeutet: „Ich ertrage dich, obwohl ich dich ablehne. Aber hey, ich lass dich existieren, auch wenn es mir <em>wirklich wirklich</em> schwer fällt.“ Akzeptanz bedeutet: „Du kannst sein, so wie du bist.“ Der CSD kämpft nicht für die gnädige Duldung queerer Menschen, sondern für ihre vollständige gesellschaftliche Anerkennung und Gleichberechtigung. Dass wir halt sein können, wie wir sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Schäck geschlechtergerechte Sprache als „Unsinn“ diffamiert, dann sagt er auch, dass meine Existenz und die Existenz von Menschen, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen lassen, Unsinn sind. Er fordert nicht nur die Abschaffung inklusiver Sprache, sondern die aktive Unsichtbarmachung queerer Identitäten in öffentlichen Räumen. Das ist das Gegenteil von Akzeptanz – es ist strukturelle Ausgrenzung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">FDP tut, was die FDP nun mal tut: sie opfert rum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders dreist ist Schäcks Vorwurf, der CSD betreibe „Ausgrenzung Andersdenkender“ und sei damit „heuchlerisch“. Diese Umkehrung der Realität folgt einem bekannten Schema: Die Unterdrückten werden zu Unterdrückern erklärt, Diskriminierung wird als „abweichende Meinung“ verharmlost. Ich hätte gerne einmal so viel Macht, wie sie queeren Menscehn von Queerfeidnen zugesprochen wird. Dann wäre hier aber was los. Zurück zum Thema:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist Schäck wirklich so unwissend, oder ist das bewusste Strategie? Vermutlich beides. Die FDP nutzt hier das Paradox der Toleranz: Eine offene Gesellschaft muss intolerant gegenüber jenen sein, die die Toleranz selbst bedrohen. Wer die Existenzberechtigung queerer Menschen anzweifelt, kann nicht erwarten, auf deren Solidaritätsveranstaltung willkommen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der CSD ist keine neutrale Plattform für beliebige politische Meinungen. Er ist ein Raum der Selbstermächtigung für queere Menschen und ein Ort des Protests gegen Diskriminierung. Eine Partei, die aktiv daran arbeitet, queere Menschen sprachlich unsichtbar zu machen und sie sprachlich ausgrenzt hat dort einfach nichts verloren – nicht aus Intoleranz, sondern als Konsequenz auf das eigene Handeln. Natürlich darf die FDP so einen Antrag stellen, sie darf aber nicht erwarten, dass sie dann noch mitspielen darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die FDP kann gerne ihre Sprachvorstellungen pflegen (auch wenn sie es nicht sollte). Aber sie kann nicht erwarten, dafür auf einem Pride gefeiert zu werden oder mitfeiern zu dürfen. Das wäre ungefähr so, als würde ein Brandstifter Einlass ins Feuerwehrfest fordern und „Intoleranz“ schreien, wenn man ihn vor der Tür stehen lässt. Außerdem ist jeder andere Tag Heten-Pride, da müssen die nicht noch bei uns auflaufen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens: 2022 hat Schäck nach dem Angriff auf eine trans Frau nach dem CSD Münster noch <a href="https://www.fdp-bremen.de/2022/09/06/hass-und-gewalt-haben-in-unserer-gesellschaft-keinen-platz/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">folgendes verlauten lassen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir wollen allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben in Bremen und Deutschland ermöglichen. Selbstbestimmung heißt für uns, so leben zu können, wie man ist. Wir müssen Toleranz fördern und der Diskriminierung aufgrund geschlechtlicher oder sexueller Identität ein Ende setzen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dieser Mitteilung und dem Antrag der zum Ausschluss der FDP geführt hat liegen 685 Tage, ein bisschen mehr als 22 Monate. So lange hat es also gedauert, nach rechts zu rücken um zu versuchen, AfD-Wählende zur FDP zu holen. Wie wiederlich kann ein Mensch eigentlich sein? Schäck: Ja.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph">* Das Wahlprogamm 2023 der Bremer FDP hat den Titel „<a href="https://www.fdp-bremen.de/wp-content/uploads/2023/03/FDP-Bremen-Wahlprogramm-2023.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Zeigen wir, was geht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><strong><em>Titelbild: Screenshot des Antrags „<a href="https://www.bremische-buergerschaft.de/dokumente/wp21/land/drucksache/d21l0659.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Schluss mit Gendersprache im öffentlichen Dienst<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Inkompetenz triggert Notfallmodus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 08:51:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[KI-Tools]]></category>
		<category><![CDATA[Schadensbegrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Softwareentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Venture Capital]]></category>
		<category><![CDATA[Vibe-Coding]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie vorhersehbar: Der CEO von Replit entdeckt plötzlich die Notwendigkeit, Entwicklungs- und Produktionsumgebungen zu trennen. Natürlich erst, NACHDEM der Schaden eingetreten ist. 

Da hab ich doch direkt wieder Meinung zu.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 2</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Wie vorhersehbar: Der CEO von Replit entdeckt plötzlich die Notwendigkeit, Entwicklungs- und Produktionsumgebungen zu trennen. Natürlich erst, NACHDEM der Schaden eingetreten ist. Was genau passiert war, habe ich bereits in meinem gestrigen Post aufgeschrieben: <a href="https://jascha.wtf/ki-tool-versteckt-inkompetenz/" data-wpel-link="internal">Vibe Coding als systematisches Versagen professioneller Standards</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Amjad Masad, CEO von Replit, versucht sich in <a href="https://x.com/amasad/status/1946986468586721478" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Schadensbegrenzung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: „Working around the weekend, we started rolling out automatic DB dev/prod separation to prevent this categorically“.</strong> Grundlagen rüsten wir am Wochenende nach. Da passt der Vibe am beten, nachdem die Katastrophe öffentlich wurde. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben <a href="https://analyticsindiamag.com/ai-news-updates/replit-crosses-100-million-arr-grows-tenfold-in-less-than-a-year/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein Geschäft mehr als 100 Millionen USD Umsatz<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> pro Jahr, Da kann man schon durchaus auf Sachen, die nicht ordentlich viben, verzichten. Entwicklungsstandards einhalten zum Beispiel. Ich nehm übrigens einmalig 500 EUR um deine Produktionsdatenbank zu löschen. Ein Schnäppchen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Vibe-Coding-Evangelisten feiner diese von Venture Capital geformte Inkompetenz als „masterclass in crisis management“</strong>. <a href="https://x.com/karianna/status/1947059696252100768" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Fantastic response, owned the issue and then set out a clear plan to make sure it didn’t happen again, kudos!“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> schwärmt der Leiter der Java at Microsoft Abteilung. Ja, gut Microsofts Führungsebene versucht momentanständig irgendwo ihr KI-Zeuch unter zu bekommen. Ein anderer ist <a href="https://x.com/itsPaulAi/status/1947026351405367703" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„glad to see the database dev/prod auto separation“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – als wäre dies eine innovative Neuerung statt eines seit Jahrzehnten etablierten Mindeststandards. Aber gut, ist ja auch „AI und Tech Educator“. Der muss es wisse! Ganz toll finde ich: <a href="https://x.com/BillyLincoln10/status/1947175448502313014" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„This is a masterclass in how to handle a crisis – the CEO steps up, takes immediate ownership of the issue, doesn’t try to deflect in any way, and offers a solution. Authenticity and responsiveness turning a loss into a win.“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht nämlich gar nicht darum, dass das Produkt nie hätte für produktive Applikationen hätte vermarktet werden dürfen. Solche Posts zeigen mir eine systematische Unfähigkeit, zwischen PR-Management und tatsächlicher Kompetenz zu unterscheiden. Was hier als <a href="https://x.com/MohMaya97/status/1947015942304596041" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„proactive“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> gefeiert wird, ist reaktive Schadensbegrenzung nach einem vermeidbaren Versagen. Die Tatsache, dass elementare Funktionen hastig am Wochenende geklöppelt werden müssen, wird als Zeichen von Führungsstärke interpretiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die strukturelle Dimension des Problems wird übersehen: Replit vermarktet sich gezielt an Personen ohne technische Kompetenz. Das Unternehmen bewirbt seine Tools mit Beispielen wie einem „operations manager with 0 coding skills“ der Software erstellt. <strong>Diese Zielgruppe kann die Risiken nicht einschätzen, die sie eingeht. Das ist Verantwortungslosigkeit. Die will hier aber niemand ownen.</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px"><strong><em>Titelbild: Screenshot replit.com</em></strong></p>
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		<title>KI-Tool versteckt Inkompetenz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 11:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Claude]]></category>
		<category><![CDATA[Inkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[KI-Tools]]></category>
		<category><![CDATA[Monster Energy]]></category>
		<category><![CDATA[Softwareentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Vibe-Coding]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Vibe-Coder schreibt ohne es zu merken auf X, wie kaputt Vibe-Coding ist: Ein Staging-System greift direkt auf die Produktionsdatenbank zu. Keine Versionskontrolle mit Git. Tests funktionieren laut den Posts nur auf dem Produktionssystem. Und der Höhepunkt: Ein KI-Tool warnt explizit "I can not be trusted, I will violate the rules" und "hire human developers you can trust" – trotzdem verwendet der Typ das Tool weiter.

Da hab ich schon Meinung zu.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 2</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Ein Vibe-Coder <a href="https://x.com/jasonlk/status/1946069562723897802" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schreibt ohne es zu merken auf X<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, wie kaputt Vibe-Coding ist: Ein Staging-System greift direkt auf die Produktionsdatenbank zu. Keine Versionskontrolle mit Git. Tests funktionieren laut den Posts nur auf dem Produktionssystem. Und der Höhepunkt: Ein KI-Tool warnt explizit „I can not be trusted, I will violate the rules“ und „hire human developers you can trust“ – trotzdem verwendet der Typ das Tool weiter.</p>



<span id="more-2685"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt nicht nur technische Unfähigkeit, sondern auch, wie sich schlechte Arbeitsweise als normal durchgesetzt hat. Versionskontrolle, getrennte Umgebungen und Backups werden behandelt wie Luxus-Features, obwohl sie Grundausstattung professioneller Arbeit sind. Es ist, als würde ein Architekt Fundamente als „nice to have“ betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Absurde: Ein Tool warnt explizit vor seinem Missbrauch, und die Reaktion besteht darin, es genau für diesen Zweck zu verwenden.</strong> Diese Realitätsverweigerung wird unter dem Label „Vibe Coding“ romantisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vibe Coding“ ist ein Euphemismus für planlose Nachlässigkeit. Der Begriff suggeriert intuitive, kreative Arbeit, versteckt aber den Verzicht auf methodische Sorgfalt und professionelle Standards. Diese Umdeutung macht Unfähigkeit zur Tugend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mechanik ist simpel: Komplexe Systeme werden durch unzuverlässige Tools versteckt, während Nutzer diese Vertuschung als Befreiung von der Notwendigkeit interpretieren, die zugrundeliegenden Systeme zu verstehen. Das Ergebnis: Kritische Infrastruktur wird von Leuten verwaltet, die deren Funktionsweise nicht begreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie verblendet muss man eigentlich sein, um trotz offensichtlicher Ahnungslosigkeit ein Softwareprodukt bauen, betreiben und kommerzialisieren zu wollen – wenn man nicht mal die eigene Produktionsdatenbank schützen oder ein Backup erstellen kann? Diese systematische <strong>Selbstüberschätzung ist charakteristisch für Dudes, die glauben, sie können trotz Inkompetenz die Welt beherrschen.</strong> Das machen sie natürlich, um Geld zu sparen – an Menschen. Menschen gehen woanders hin, wenn du ein scheiß Chef bist oder deine Infrastruktur eine Katastrophe. Vibe-Coding Tools hingegen lügen dich nur an. Diese Tools werden zu Ausreden-Generatoren: Anstatt kompetente Entwickler zu bezahlen, wird die eigene Unfähigkeit an Systeme delegiert, die selbst vor ihrer Unzuverlässigkeit warnen und inkompetent sind. Das Ergebnis sind Geschäftsmodelle, die auf systematischer Verantwortungslosigkeit basieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin selbst kein großartiger Entwickler. Aber selbst mir ist klar, dass man so definitiv NICHT entwickelt. Wer seine Produktionsdatenbank nicht vor seinem eigenen Staging-System schützen kann, sollte keine Software entwickeln. Wer KI-Tools verwendet, die explizit vor ihrem Missbrauch warnen, disqualifiziert sich selbst. <strong>Ihr setzt mich ja auch nicht in eure Firma und lasst mich an der Datenbank und dem Produktivsystem herumspielen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beim Coden und Technologie betreiben geht es nicht um „Vibe“, nur weil einige Gruppierungen, die sich um Tools und Infrastruktur kümmern, einen Vibe haben.</strong> Die Katzenohren-Nightcore-Emacs-Fraktion ist genauso ein Klischee wie die Furry-Community – letztere betreibt faktisch kritische Infrastruktur. „All modern communication would collapse if about 50 people, most of which are furries, decided to turn their pager off for a day“, formuliert ein Tweet pointiert. Die Furry-Community ist überproportional in der IT-Branche vertreten, von Apple über Google bis Amazon arbeiten sie in Schlüsselpositionen. Der entscheidende Unterschied zu pseudo-professionellem „Vibe Coding“: Diese Leute setzen voraus, dass man direkt mit dem Code arbeitet, die Maschine versteht und bewusste Entscheidungen trifft. <strong>„Vibe Coding“ ohne fundierte Kenntnisse ist keine Innovation – es ist Kapitulation vor der Komplexität moderner Systeme. Und diese Kapitulation gefährdet kritische Infrastrukturen unserer digitalen Gesellschaft.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Update: <a href="https://jascha.wtf/inkompetenz-triggert-notfallmodus/" data-wpel-link="internal">Das Drama geht noch weiter!</a></strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><strong><em>Titelbild: Screenshot von <a href="https://x.com/jasonlk/status/1946069562723897802" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">https://x.com/jasonlk/status/1946069562723897802<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a></em></strong></p>
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		<title>Liberté, diversité, perversité! – Warum Kink zum CSD gehört</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 11:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erlebt]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dykes on Bikes]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kink]]></category>
		<category><![CDATA[Leder]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Stonewall]]></category>
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					<description><![CDATA[Jedes Jahr die gleiche Debatte: Gehören BDSM, Kink und Fetisch zum CSD? Die Antwort ist eindeutig ja – und wer das bestreitet, reproduziert dieselben diskriminierenden Mechanismen, gegen die Pride ursprünglich antrat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 4</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Artikel ist eine aktualisierte Fassung meines alten Beitrags „Liberté, diversité, perversité! (oder Kinkstropher Street Day)“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr die gleiche Debatte: Gehören BDSM, Kink und Fetisch zum CSD? Die Antwort ist eindeutig ja – und wer das bestreitet, reproduziert dieselben diskriminierenden Mechanismen, gegen die Pride ursprünglich antrat.</p>



<span id="more-2574"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Das Problem: Consent als Waffe gegen queere Sichtbarkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der zentrale Vorwurf gegen Kink beim CSD lautet systematisch: „BDSM benötigt Zustimmung und ich habe nicht zugestimmt, das zu sehen.“ Diese scheinbar progressive Argumentation entlarvt sich bei genauerer Betrachtung als perfide Umdeutung eines emanzipatorischen Konzepts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2020 verstärken koordinierte Trollkampagnen wie z.B. „<a href="https://www.vice.com/en/article/7kpbba/operation-pridefall-4chan-gay-pride-2020" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Operation Pridefall<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“ diese Dynamik gezielt. Diese auf 4chan organisierte Kampagne zielte darauf ab, durch systematische Verbreitung homophober Propaganda und gezielte Grooming-Vorwürfe gegen queere Kinkster die öffentliche Meinung zu manipulieren. Die <a href="https://www.thepinknews.com/2020/06/03/operation-pridefall-alt-right-4chan-discord-cyber-attack-pinknews-lgbt-pride-month/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dokumentierte Strategie<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> ist explizit: „Graduelle Verschiebung der Diskussion“, um „Menschen dazu zu bringen, LGBTQ-Community-Mitglieder als Pädophile zu betrachten“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese manipulativen Narrative finden längst Eingang in vermeintlich progressive queere Debatten. Ein aktuelles Beispiel aus 2025: Der <a href="https://schwulissimo.de/neuigkeiten/streit-beim-csd-bielefeld-debatte-um-fetisch-gruppen" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">CSD Bielefeld verlangt von Fetisch-Gruppen spezielle „Konsenskonzepte“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – eine Sonderbehandlung, die für andere Teilnehmer*innen nicht gilt. Dahinter steht die Unterstellung, Kinkster seien „besonders anfällig für sexualisierte Gewalt“. Die Linke queer spricht zu Recht von „inakzeptabler Diskreditierung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Bielefeld diskriminiert, <a href="https://www.csd-remscheid.de/2024/05/23/fetischmasken-beim-csd-ja-natuerlich/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">stellt der CSD Remscheid klar<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: „Fetisch gehört zum CSD und zur queeren Community. Solange Gesetze und Regeln eingehalten werden […] ist Platz für alle, die stolz und frei auf die Straße gehen.“ Und Köln feiert 2025 explizit mit <a href="https://www.colognepride.de/events" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Xtreme! und anderen Fetisch-Events<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> als integralen Bestandteil der Pride-Woche.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Historische Kontinuitäten: Von Transvestiten-Gesetzen zu modernem „Consent-Shaming“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Instrumentalisierung des Consent-Begriffs gegen queere Sichtbarkeit folgt einer bewährten Strategie: Bereits die US-amerikanischen Anti-Transvestiten-Gesetze argumentierten, das Tragen geschlechtsuntypischer Kleidung sei strafbar, weil die Öffentlichkeit dem nicht „zugestimmt“ habe. Gegen genau diese Logik rebellierten die Menschen bei <a href="https://www.nationalgeographic.com/history/article/stonewall-uprising-ignited-modern-lgbtq-rights-movement" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Stonewall 1969<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – ein Aufstand, an dem Kinkster, Fetischisten und Lederträger zentral beteiligt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland manifestierte sich diese Logik in <a href="https://www.lsvd.de/de/ct/1022-Paragraph-175-StGB-Verbot-von-Homosexualitaet-in-Deutschland" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">§175 StGB<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> besonders perfide: Der Paragraph diente nicht nur der direkten Kriminalisierung, sondern auch „als Rechtfertigung für Überwachung und Polizeirazzien an Schwulentreffpunkten, ebenso für das Führen von Rosa Listen“. Die Hamburger Polizei <a href="https://www.spiegel.de/politik/dicker-hammer-a-c486aefb-0002-0001-0000-000014331869" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">observierte jahrelang schwule Männer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> „durch einen Spezialspiegel“, um sie nach §175 anzuzeigen – staatliche Voyeure, die ihre Gewalt durch vermeintlichen „Schutz der Öffentlichkeit“ legitimierten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Lederdaddys: Queere Fürsorge in Zeiten staatlicher Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn heute ein 70-jähriger Lederdaddy stolz seine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Leather_pride_flag" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Lederpride-Flagge<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> schwenkt, trägt er die Geschichte einer Generation mit sich, die während der AIDS-Krise nicht nur mit staatlicher Vernachlässigung, sondern mit aktiven Vernichtungsfantasien konfrontiert war. Während in Bayern diskutiert wurde, „HIV-Positive in Lager zu verfrachten“, bildeten Leder Communities und „Dykes on Bikes“ Ersatzfamilien für Sterbende, die von ihren biologischen Familien verstoßen worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Fürsorgearbeit geschah nicht trotz, sondern wegen ihrer „Andersartigkeit“. Die Leder Community entwickelte bereits in den 1950ern <a href="http://www.onyxnynortheast.org/hanky-code-introduction" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Codes der Erkennung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – Bandanas, Hanky-Codes, spezifische Kleidung – als Überlebensstrategie in einer feindlichen Umgebung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pride als radikale Existenzfeier</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pride wurde von „Kinkstern, Fetischist*innen, gender non-conforming, queeren Menschen“ gegründet, nicht von „desinfizierten schwulen Männern“ (Original: „desinfected gay men“). Brenda Howard, Mitorganisatorin des ersten Christopher Street Liberation Day 1970, war „jüdisch, behindert, Sexarbeiterin, Kinksterin“ – ihr Slogan: „Bi, Poly, Switch – ich bin nicht gierig, ich weiß, was ich will.“ (Origina: „Bi, Poly, Switch – I’m not greedy, I know what I want.“)</p>



<p class="wp-block-paragraph">1973 wurden Stonewall-Aktivist*innen von assimilationistischen Schwulen ausgebuht – aus Sylvia Riveras legendärer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Jb-JIOWUw1o" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Y’all Better Quiet Down“-Rede<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> stammt die bis heute gültige Kritik an der Vereinnahmung radikaler queerer Politik durch bürgerliche Normalisierungsbestrebungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Systemanalyse: Kommerzialisierung als Disziplinierungsinstrument</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte um Kink beim CSD ist kein kultureller Konflikt, sondern Ausdruck struktureller Machtverhältnisse. Sponsoren wie PayPal oder Deutsche Bank haben ein materielles Interesse an „sauberen“ Prides – dieselben Institutionen, die Sexarbeiter*innen systematisch von Finanzdienstleistungen ausschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CSD-Veranstalter*innen internalisieren diese Zwänge und schaffen präventiv „sichere Umfelder“ für Konzerne. Das Ergebnis: sanitized Pride, die ihre eigenen historischen Wurzeln verleugnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Selektivität der Empörung: Strukturelle Queerfeindlichkeit entlarven</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum erregt queere Lederkleidung beim CSD Anstoß, während dieselbe Kleidung in heteronormativen Kontexten (Clubs, Werbung, Film) als „normal“ gilt? Diese Selektivität entlarvt das wahre Problem: Nicht die Kleidung ist das Problem, sondern ihre Träger*innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die systematische Verknüpfung von queerer Kink-Sichtbarkeit mit Grooming-Vorwürfen – ein Kernbestandteil von „Operation Pridefall“ – funktioniert nur, weil sie an tiefsitzende queerfeindliche Stereotype anknüpft. Diese false-flag operations nutzen die Verunsicherung queerer Communities aus, um interne Spaltungen zu vertiefen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2022 bezeichnete die Rapperin Katja Krasavice Kinkster beim Berliner CSD als „Perverse“ und „Pädophile“, die „ihre ekelhaften, perversen Fantasien ausleben“ wollen. Ihre Hetze fand <a href="https://csd-berlin.de/kommentar-von-barbie-breakout" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">breite mediale Aufmerksamkeit<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> und zeigt, wie manipulative Narrative selbst von queeren Personen internalisiert und reproduziert werden. 2024 griff eine <a href="https://queernations.de/csd-zwischen-radikaler-gegenkultur-und-gesellschaftlicher-mitte/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">breit diskutierte YouTube-Debatte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> um die Transfrau PersiaX diese Argumentationsmuster erneut auf, wobei erstmals sichtbar wurde, wie ein „diverses und wahrscheinlich mehrheitlich heterosexuelles Publikum“ auf diese Themen reagiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Doppelte Standards: Der allgegenwärtige Hetero-Voyeurismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich durch die Stadt gehe, konfrontiert mich permanent sexualisierte Werbung, ob ich will oder nicht. <a href="https://de.statista.com/infografik/11990/frauenbild-in-der-werbung/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">30% der Frauen werden in der Werbung sexualisiert dargestellt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – eine Omnipräsenz, gegen die niemand „Consent-Verweigerung“ geltend macht. Ich sehe auf Bildern von Hetero-Partys, wie <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/aus-der-subkultur-in-den-mainstream-das-ledergeschirr-als-berliner-mode-statement-9365603.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">queere Ästhetik zur Party-Kleidung wird<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: Ledergeschirr „ist inzwischen eher in Kostümläden als in Sexshops zu finden“. Da hat mich auch niemand gefragt, ob ich das sehen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn ich als queerer Mensch dieselbe Kleidung trage, die Heteros für ihre Partys appropriiert haben, betreibe ich angeblich „Grooming“. Die <a href="https://werbemelder.in/pages/kriterien-und-beispiele" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Initiative „Werbemelder*in“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> dokumentierte systematisch, wie „sexistische Werbung aus der Wirtschaft“ den öffentlichen Raum dominiert – allein 2019 gingen <a href="https://ereignishorizont-digitalisierung.de/gesellschaftspolitik/beispiele-der-sexualisierung-im-online-marketing/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">120 Beschwerden über geschlechterdiskriminierende Werbung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> beim Deutschen Werberat ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heteros dürfen jeden Quadratmeter öffentlichen Raums sexualisieren, queere Ästhetik für ihre Events kommodifizieren und ihre Körper zur Schau stellen – aber queere Sichtbarkeit wird sofort pathologisiert. Diese Doppelmoral entlarvt das wahre Problem: Es geht nicht um „Kinderschutz“, sondern um die Kontrolle queerer Körper und die Aufrechterhaltung heteronormativer Hegemonie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Consent richtig verstanden: Gegen instrumentalisierten Kinderschutz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der manipulative Verweis auf „die Kinder“ reproduziert klassische Ausgrenzungsnarrative. Kinder existieren beim CSD nicht im luftleeren Raum – sie sind mit Eltern da, die für altersgerechte Erklärungen zuständig sind. Die Forderung, queere Sexualität aus der Öffentlichkeit zu verbannen, weil Kinder sie sehen könnten, ist strukturell identisch mit den Argumenten gegen jede queere Sichtbarkeit überhaupt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Echter Kinderschutz würde diese Kinder vor queerfeindlicher Indoktrination schützen, nicht vor der Erkenntnis, dass Menschen verschieden leben und lieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Kink als integraler Bestandteil queerer Befreiung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kink gehört zum CSD, weil Kink zur queeren Geschichte gehört. Wer das bestreitet, sollte sich ehrlich fragen: Will ich Pride als Feier queerer Befreiung – oder als Scharade für die Anerkennung durch eine Gesellschaft, die uns nur akzeptiert, wenn wir uns selbst verleugnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob Pride ein Akt der Rebellion bleibt oder zur Folklore einer Bewegung wird, die ihre eigenen Kämpfer*innen vergessen hat.</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph"><em>Den Titel verdanke ich <a href="https://eldritch.cafe/@der_zaunfink" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">@der_zaunfink<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>. Lest auch <a href="https://derzaunfink.wordpress.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">seinen Blog<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>.</em></p>
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		<title>Die Diskriminierungsarchitektin: Wie Julia Klöckner queere Sichtbarkeit systematisch demontiert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 09:42:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn Neutralität zur Waffe wird Julia Klöckner hat in ihrer Rolle als Bundestagspräsidentin eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen: Das Regenbogennetzwerk der Bundestagsverwaltung darf nicht mehr am [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 4</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<h2 class="wp-block-heading">Wenn Neutralität zur Waffe wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Julia Klöckner hat in ihrer Rolle als Bundestagspräsidentin eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen: <a href="https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/06/christopher-street-day-berlin-regenbogennetzwerk-bundestagsverwaltung.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Das Regenbogennetzwerk der Bundestagsverwaltung darf nicht mehr am Christopher Street Day in Berlin teilnehmen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>. Die Begründung? „Neutralitätspflicht“. Eine Argumentation von solch durchsichtiger Verlogenheit, dass man sich fragt, ob Klöckner ihre Zuhörer für komplette Narren hält.</p>



<span id="more-2558"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Denn dieselbe Bundestagspräsidentin, die queere Sichtbarkeit beim CSD mit Verweis auf politische Neutralität unterbindet, lässt <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=53616" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zum Internationalen Tag gegen Homo‑, Bi‑, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai sehr wohl die Regenbogenflagge am Bundestag hissen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>. Ein Widerspruch, der jeder Logik spottet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klöckners Begründung für diese Doppelmoral offenbart die ganze Verlogenheit ihrer Position: „Der Christopher Street Day lebe als Tag der Versammlung, des Protests und der Feier von seiner kraftvollen Präsenz auf den Straßen“ und benötige daher keine zusätzliche Beflaggung am Bundestag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Moment – wir sollen also glauben, dass gerade <em>weil</em> der CSD so wichtig für die Straßenpräsenz ist, man diese Präsenz aktiv schwächen sollte, indem man dem Regenbogennetzwerk der Bundestagsverwaltung die Teilnahme verweigert? Diese intellektuelle Gymnastik wäre beeindruckend, wenn sie nicht so durchschaubar wäre. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=53956" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Berliner CSD spricht zu Recht von einer „aktiven politischen Absage an queere Sichtbarkeit“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> und einem „politischen Tabubruch“. Denn genau das ist es: eine bewusste Entscheidung gegen die Community, verkleidet als administrative Neutralität.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kirchenpolitik ja, Queerpolitik nein: Die Anatomie der Doppelmoral</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders entlarvend wird Klöckners Neutralitätsrhetorik, wenn man ihren eigenen politischen Aktivismus betrachtet. <a href="https://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2025/pm-250430-kirchentag-1064242" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Am 3. Mai 2025 trat sie beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> nicht nur als Gast auf, sondern hielt eine Bibelarbeit (eine theologische Textauslegung mit aktuellen Bezügen), <a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/242783/03-05-2025/promitalks-auf-dem-kirchentag-rotes-sofa-mit-julia-kloeckner-und-christian-wulff" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">diskutierte auf dem „Roten Sofa“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> und verteidigte ihre kirchenpolitischen Positionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die katholische Theologin und CDU-Politikerin hatte zuvor öffentlich gefordert, Kirchen sollten sich weniger zu tagespolitischen Themen äußern und sich stattdessen auf „Sinnfragen“ konzentrieren. Dass sie selbst als Bundestagspräsidentin bei einem kirchlichen Großereignis auftritt und dort dezidiert religiöse und politische Positionen vertritt, zeigt die ganze Dreistigkeit ihrer doppelten Standards. Neutralität für andere predigen, während man selbst ungeniert die eigene Agenda vorantreibt – das ist Klöckners Politikverständnis in Reinkultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung, zum IDAHOBIT die Regenbogenflagge zu hissen, zum CSD aber nicht, entlarvt das wahre Motiv hinter Klöckners Manöver: Es geht nicht um Neutralität, sondern um die strategische Kontrolle queerer Sichtbarkeit. Während der IDAHOBIT als harmloser „Gedenktag“ durchgewunken werden kann, ist der CSD explizit als Demonstration und politischer Akt konzipiert – und genau das ist Klöckner ein Dorn im Auge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei wurde die Regenbogenflagge erst 2022 unter Bundestagspräsidentin Bärbel Bas erstmals am Reichstagsgebäude gehisst – ein historischer Moment der Solidarität. Klöckner demontiert diese symbolische Geste gezielt und instrumentalisiert dabei eine vorgebliche Neutralität, die sie selbst nicht praktiziert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Strukturelle Diskriminierung als Verwaltungsakt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hier liegt der fundamentale Mechanismus: Die Vorstellung, ein Parlament oder seine Verwaltung könnten „neutral“ sein, ist bereits eine politische Position. Wie der CSD-Verein richtig analysiert: „Wer die Teilnahme von queeren Netzwerkgruppen staatlicher Institutionen untersagt, kündigt stillschweigend den Konsens auf, dass Grundrechte sichtbar verteidigt gehören.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Parlament ist per Definition ein politischer Raum. Seine Verwaltung ist Teil dieses politischen Systems. Die Behauptung, man könne sich aus politischen Fragen heraushalten, ist selbst eine hochpolitische Entscheidung – nämlich die Entscheidung für den Status quo und gegen marginalisierte Gruppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hier geschieht, ist strukturelle Diskriminierung in Reinform: eingebettete Machtstrukturen, die bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen, während sie als neutrale Verwaltungspraxis erscheinen. Diese normalisierten Ausschlüsse werden nicht als direkte Diskriminierung wahrgenommen – und genau das macht sie so gefährlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders perfide wird diese Politik in Zeiten, „in denen CSDs zur Zielscheibe rechtsextremer Angriffe werden“. Allein in den letzten Wochen häufen sich <a href="https://ohai.social/@jascha/114693794499044975" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Angriffe auf queere Veranstaltungen und Einrichtungen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – von zerstörten CSD-Bannern bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Gerade jetzt wäre politischer Rückhalt „mehr als angebracht“ gewesen. Stattdessen nutzt Klöckner diese kritische Situation, um queere Menschen weiter zu marginalisieren und liefert eine Steilvorlage für alle, die queere Rechte als „Ideologie“ diffamieren wollen. Das Timing könnte kaum zynischer sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst aus den eigenen Reihen kommt Kritik: CDU-Bundestagsabgeordneter Jan-Marco Luczak fordert eine Lösung, „die das jenseits der gebotenen Neutralitätspflicht ermöglicht“, und betont, dass beim CSD „eine Million Menschen für Gleichberechtigung und Toleranz“ demonstrieren – Werte, für die auch der Bundestag einstehe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Rücktritt als logische Konsequenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Julia Klöckners Amtsführung offenbart ein gefährliches Muster institutionalisierter Heuchelei: Unter dem Deckmantel vermeintlicher Neutralität wird systematisch gegen queere Sichtbarkeit vorgegangen, während die eigene politische Agenda – sei es beim Kirchentag oder in der Kirchenpolitik – mit der Subtilität eines Dampfhammers vorangetrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese kalkulierte Doppelmoral ist nicht nur heuchlerisch, sie ist demokratieschädigend. Wenn die zweithöchste Repräsentantin des Staates queere Menschen systematisch unsichtbar macht und dabei den Verwaltungsmantel umhängt, dann zeigt das die ganze Perfidie einer Politik, die Marginalisierung als bürokratischen Normalfall tarnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herausforderung liegt darin, diese subtilen Prozesse der institutionellen Ausgrenzung zu erkennen und aktiv zu dekonstruieren. Klöckners Vorgehen ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie strukturelle Diskriminierung funktioniert: unsichtbar für die Mehrheitsgesellschaft, aber hocheffektiv in der systematischen Benachteiligung queerer Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klöckner sollte endlich die Konsequenzen aus ihrer systematischen Aushöhlung demokratischer Werte ziehen und zurücktreten. Wenn sie unbedingt Kirchenpolitik machen will, kann sie das gerne bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber Nestlé tun – aber nicht vom zweithöchsten Amt der Republik aus. Das wäre das Mindeste, was queere Menschen und alle anderen, die an tatsächliche demokratische Repräsentation glauben, von ihr erwarten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Parlament, das sich der queeren Community verweigert, verweigert sich der Demokratie selbst. Denn Demokratie lebt von der Sichtbarkeit aller ihrer Bürger*innen – nicht nur derjenigen, die der Bundestagspräsidentin politisch genehm sind.</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><strong>Titelbild: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Sven_Volkens" target="_blank" rel="noreferrer noopener external" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Sven Volkens<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CSD_Berlin_2018_05.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener external" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">CSD Berlin 2018 05<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode" target="_blank" rel="noreferrer noopener external" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">CC BY-SA 4.0<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a></strong></p>
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		<title>Die Metadaten verraten Dir, wer einen Crush auf Dich hat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Oct 2024 16:31:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
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		<category><![CDATA[Standard]]></category>
		<category><![CDATA[XFN]]></category>
		<category><![CDATA[Xhtml Friends Network]]></category>
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					<description><![CDATA[Das ist bestimmt gar nicht creepy und übergriffig. Zusätzlich ist das definitiv keine Information, die man via Metadaten seiner Website dem gesamten Netz mitteilen muss. Aber wovon rede ich eigentlich? Ich rede von XFN - dem XHTML Friends Network.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 2</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Das ist bestimmt gar nicht creepy und übergriffig. Zusätzlich ist das definitiv keine Information, die man via Metadaten seiner Website dem gesamten Netz mitteilen muss. Aber wovon rede ich eigentlich? Ich rede von XFN – dem <strong><a href="https://gmpg.org/xfn/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">XHTML Friends Network<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a></strong>.</p>



<span id="more-2466"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist XFN eigentlich? XFN ist ein Standard, der beschreibt, wie wir in Website maschinenlesbare Verlinkungen mitteilen können, wie wir mit der Person hinter dem Link verbandelt sind. Wir benutzen das heute vor allem für die Verifikation unserer Websites auf dem Mastodonprofil <code>&lt;a rel="me" /&gt;</code> entstammt aus dem XFN Standard. Der Standard ist aber vor allem dafür da, Verbindungen zwischen Online-Präsenzen herzustellen. Jemand ist einfach nur ein <code>contact</code> oder direkt ein <code>friend</code>. Man kann mit <code>met</code> angeben ob die Person auch in der Hosenwelt getroffen wurde oder als <code>co-resident</code> bei mir im Haus wohnt. Ich kann diese Info also im Quelltext meiner Website unterbringen und mein Mitbewohner müsste sich den Quelltext ansehen, um überhaupt zu erfahren, dass ich offen sage, dass wir zusammen wohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist meines Erachtens schon schlimm genug – so richtig creepy und übergriffig sind meiner Meinung nach die Attribute <code>muse</code>, <code>crush</code>, <code>date</code> und <code>sweetheart</code>. XFN stellt klar, dass crush z.B. nur eine einseitige Beziehung ist und bei der Verarbeitung und Graphenproduktion das zu beachten ist, während date symmetrisch ist. <code>&lt;a rel="date"&gt;$Name&lt;/a&gt;</code> produziert für die Maschine die Wahrheit, dass ich $Name date und $Name mich – ohne dass die Maschine bei $Name nachschauen muss, ob das wirklich so ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">XFN ist nicht das einzige maschinenlesbar Format, dass transitive Verbindungen herstellt, die Ontologie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/FOAF" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">FOAF<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> (Friend of a friend) bietet mit dem Verb knows das ähnliche Problem. FOAF wird unter anderem zur  Beschreibung von Personen (z.B. Autor*innen) in Archiven und Bibliotheken verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie weit ist XFN aber verbreitet? Noch heute installiert WordPress die Tabelle <code>wp_links</code>, in der früher die Blogroll gepflegt wurde. In der Tabelle gibt es das Feld <code>link_rel</code>, in der die XFN Informationen gespeichert werden. Seit WordPress 3.5 <a href="https://core.trac.wordpress.org/ticket/21307" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">existiert das „Links“-Menü nicht mehr<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, es sei denn Dein Blog ist so alt, dass diese ganzen Links mit geschleppt wurden – dann unterstützt WordPress das noch immer. Warum ich das erwähne? Matthew ‚Matt‘ Mullenweg ist einer der Autoren des Standards.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.ietf.org/rfc/rfc6350.txt" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">RFC6350 vCard Format Specification<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> definiert unter 6.6.6. RELATED die Inhalte für das Feld, in welcher Beziehung die Kontakte in meinem Adressbuch zu mir stehen: „<em>The registry is pre-populated with the values defined in [xfn]</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber warum jammere ich hier herum anstatt etwas sinnvolles zu tun und z.B. den Standard zu forken und eine Version 1.2 online zu stellen? Der Standard steht unter <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">CC BY NC<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> Lizenz und derivative Arbeiten sind nicht erlaubt und ich weiß nicht, ob ich die Energie habe, mich mit den Autoren auseinander zu setzen. Da ist es doc einfacher auf meinem Blog zu schimpfen. </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:15px"><em>Titelbild. Eigene Werk Screenshot von https://gmpg.org/xfn/</em></p>
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