Es gibt einen Podcast von „Willkommen im Club“ zum Thema Straight Allies. Eingeladen sind Jacqueline Hofer von den Straight Allies München und Kevin Ebert, Host vom PULS Sexpodcast „Im Namen der Hose“.

Die halbe Stunde sei kurz skizziert, falls ihr nicht die Zeit habt, sie zu hören:

Jaqueline Hofer „arbeitet in der Community“ und hängt viel mit queeren Menschen ab und wurde deshalb immer für lesbisch gehalten, sie ist es aber nicht. Sie hat irgendwann das Label Straight Ally für sich entdeckt und fand es praktisch zur Erklärung. (Das mit der Selbstdistanzierung stimmt also, ich finde aber nicht, dass man das nur negativ bewerten kann.) In der lose organisierten Straight Ally Gruppe geht es um Erfahrungsaustausch und darum, die Idee bekannter zu machen (z.B. mit Flyern und T-Shirts, auf denen u.a. auch die Flagge verwendet wird). Es geht darum, nicht einfach nur „da“ zu sein, sondern auch sichtbar zu sein und andere aufmerksam zu machen, dass Allyship eine wichtige Sache ist.

Kevin Ebert sieht Allyship als „permanente Lebenseinstellung“, bei der es u.a. um ein bestimmtes „Mindset“ und sensiblere Sprache usw. geht. Um einen moralischen Kompass. Er würde sich selbst nicht ungefragt als Ally bezeichnen und findet den Begriff als Eigenlabel etwas zu bedeutungsschwanger, sieht aber auch, dass es eigentlich gut ist, einen Begriff (wie ich es verstehe: für das Phänomen an sich) zu haben.

Es geht in der Folge noch um die Organisation PFLAG in den USA, die dort eine ziemlich große Rolle in der Pride Parade spielen und um die Frage, ob Straight Allies nun Teil der Community seien oder nicht (Host Julian Wenzel sagt nein, ich finde die Frage an sich falsch).

https://www.br.de/mediathek/podcast/willkommen-im-club-der-lgbtiq-podcast-von-puls/straight-allies-wie-kann-ich-die-queere-community-unterstuetzen/1815538

Ihr habt mich überzeugt, dass die Raumnahme da, wo sie klar auf Kosten von queeren Menschen geht, schädlich ist, vor allem, was die Bedeutungsverdrängung des „A“ für das asexuelle / aromantische Spektrum angeht. Ob das einen kompletten (Selbst-)Ausschluss jedes Ally-Symbols auf CSDs rechtfertigt, da bin ich immer noch nicht so hundertprozentig sicher.

Grundsätzlich finde ich das, was Straight Allies tun, sehr wichtig und gut, und daraus folgt für mich auch, dass es nützlich sein kann, wenn diese Leute sich organisieren, aufklären und auch (in / am Rande?) des CSDs sichtbar werden. Ich sehe zwar ganz klar den Unterschied von Allyship und Own Voice, aber es kann doch auch nicht angehen, dass für immer und ewig nur die Betroffenen über Diskriminierungen aufklären. Das muss eine gesellschaftliche Aufgabe sein, an der möglichst viele Menschen mitarbeiten. Aber ich glaube, das stellt hier auch niemand in Frage…

Vielleicht mal als Gedankenexperiment: Wäre ein _anderes_ Symbol als Button am Revers immer noch problematisch? Oder ein Infostand, der keinem queeren Projekt einen guten Platz wegnimmt und auf das A verzichtet? Wenn ja, welche Probleme seht ihr da?