<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/">

<channel>
	<title>Christopher Street Day - jascha.wtf</title>
	<atom:link href="https://jascha.wtf/tag/christopher-street-day/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://jascha.wtf</link>
	<description>Dies&#38;Das&#38;Jenes</description>
	<lastBuildDate>Wed, 06 Aug 2025 09:28:56 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.4</generator>

<image>
	<url>https://jascha.wtf/wp-content/uploads/cropped-favicon-1-1-32x32.jpg</url>
	<title>Christopher Street Day - jascha.wtf</title>
	<link>https://jascha.wtf</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<atom:link rel="hub" href="https://pubsubhubbub.appspot.com"/>
<atom:link rel="hub" href="https://pubsubhubbub.superfeedr.com"/>
<atom:link rel="hub" href="https://websubhub.com/hub"/>
<atom:link rel="self" href="https://jascha.wtf/tag/christopher-street-day/feed/"/>
<atom:link rel="search" type="application/opensearchdescription+xml" title="Search jascha.wtf" href="https://jascha.wtf/wp-json/opensearch/1.1/document" />	<item>
		<title>Zeigen wir, was geht, solange niemand gendern will*</title>
		<link>https://jascha.wtf/zeigen-wir-was-geht-solange-niemand-gendern-will/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/zeigen-wir-was-geht-solange-niemand-gendern-will/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 09:24:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Akzeptanz]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Pride]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=2777</guid>

					<description><![CDATA[Die FDP Bremen ist empört über ihren Ausschluss vom Bremer Christopher Street Day 2025 und wirft den Veranstaltern "Intoleranz" vor. Fraktionschef Thore Schäck spielt das Opfer und behauptet, der CSD bekämpfe genau das, was er fördern wolle: Toleranz für alle. Natürlich ist sich ein FDPler nicht zu blöd, mit diesem Argument zu kommen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 3</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=54605" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Die FDP Bremen ist empört über ihren Ausschluss vom Bremer Christopher Street Day 2025 und wirft den Veranstaltern „Intoleranz“ vor.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> Fraktionschef Thore Schäck spielt das Opfer und behauptet, der CSD bekämpfe genau das, was er fördern wolle: Toleranz für alle. Natürlich ist sich ein FDPler nicht zu blöd, mit diesem Argument zu kommen. Aber was ist denn eigentlich jetzt genau passiert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die FDP wurde ausgeschlossen, weil sie einen Antrag gestellt hatte, der „<a href="https://www.bremische-buergerschaft.de/dokumente/wp21/land/drucksache/d21l0659.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Schluss mit Gendersprache im öffentlichen Dienst<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“ forderte. Schäck bezeichnete geschlechtergerechte Sprache als „Gender-Unsinn“, „Fantasiesprache“ und „Verunglimpfung“ der deutschen Sprache. Das ist die gleiche die Sprache, mit der queerfeindliche Akteure systematisch die Existenz von trans, inter und nicht binären Menschen angreifen. Es fehlt nur noch „Gender Gaga“ im Vokabular von Schäck, dann wäre meine Bingokarte voll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Toleranz versus Akzeptanz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Denkfehler der FDP liegt in der Verwechslung von Toleranz und Akzeptanz. Toleranz bedeutet: „Ich ertrage dich, obwohl ich dich ablehne. Aber hey, ich lass dich existieren, auch wenn es mir <em>wirklich wirklich</em> schwer fällt.“ Akzeptanz bedeutet: „Du kannst sein, so wie du bist.“ Der CSD kämpft nicht für die gnädige Duldung queerer Menschen, sondern für ihre vollständige gesellschaftliche Anerkennung und Gleichberechtigung. Dass wir halt sein können, wie wir sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Schäck geschlechtergerechte Sprache als „Unsinn“ diffamiert, dann sagt er auch, dass meine Existenz und die Existenz von Menschen, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen lassen, Unsinn sind. Er fordert nicht nur die Abschaffung inklusiver Sprache, sondern die aktive Unsichtbarmachung queerer Identitäten in öffentlichen Räumen. Das ist das Gegenteil von Akzeptanz – es ist strukturelle Ausgrenzung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">FDP tut, was die FDP nun mal tut: sie opfert rum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders dreist ist Schäcks Vorwurf, der CSD betreibe „Ausgrenzung Andersdenkender“ und sei damit „heuchlerisch“. Diese Umkehrung der Realität folgt einem bekannten Schema: Die Unterdrückten werden zu Unterdrückern erklärt, Diskriminierung wird als „abweichende Meinung“ verharmlost. Ich hätte gerne einmal so viel Macht, wie sie queeren Menscehn von Queerfeidnen zugesprochen wird. Dann wäre hier aber was los. Zurück zum Thema:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist Schäck wirklich so unwissend, oder ist das bewusste Strategie? Vermutlich beides. Die FDP nutzt hier das Paradox der Toleranz: Eine offene Gesellschaft muss intolerant gegenüber jenen sein, die die Toleranz selbst bedrohen. Wer die Existenzberechtigung queerer Menschen anzweifelt, kann nicht erwarten, auf deren Solidaritätsveranstaltung willkommen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der CSD ist keine neutrale Plattform für beliebige politische Meinungen. Er ist ein Raum der Selbstermächtigung für queere Menschen und ein Ort des Protests gegen Diskriminierung. Eine Partei, die aktiv daran arbeitet, queere Menschen sprachlich unsichtbar zu machen und sie sprachlich ausgrenzt hat dort einfach nichts verloren – nicht aus Intoleranz, sondern als Konsequenz auf das eigene Handeln. Natürlich darf die FDP so einen Antrag stellen, sie darf aber nicht erwarten, dass sie dann noch mitspielen darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die FDP kann gerne ihre Sprachvorstellungen pflegen (auch wenn sie es nicht sollte). Aber sie kann nicht erwarten, dafür auf einem Pride gefeiert zu werden oder mitfeiern zu dürfen. Das wäre ungefähr so, als würde ein Brandstifter Einlass ins Feuerwehrfest fordern und „Intoleranz“ schreien, wenn man ihn vor der Tür stehen lässt. Außerdem ist jeder andere Tag Heten-Pride, da müssen die nicht noch bei uns auflaufen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens: 2022 hat Schäck nach dem Angriff auf eine trans Frau nach dem CSD Münster noch <a href="https://www.fdp-bremen.de/2022/09/06/hass-und-gewalt-haben-in-unserer-gesellschaft-keinen-platz/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">folgendes verlauten lassen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir wollen allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben in Bremen und Deutschland ermöglichen. Selbstbestimmung heißt für uns, so leben zu können, wie man ist. Wir müssen Toleranz fördern und der Diskriminierung aufgrund geschlechtlicher oder sexueller Identität ein Ende setzen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dieser Mitteilung und dem Antrag der zum Ausschluss der FDP geführt hat liegen 685 Tage, ein bisschen mehr als 22 Monate. So lange hat es also gedauert, nach rechts zu rücken um zu versuchen, AfD-Wählende zur FDP zu holen. Wie wiederlich kann ein Mensch eigentlich sein? Schäck: Ja.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph">* Das Wahlprogamm 2023 der Bremer FDP hat den Titel „<a href="https://www.fdp-bremen.de/wp-content/uploads/2023/03/FDP-Bremen-Wahlprogramm-2023.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Zeigen wir, was geht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><strong><em>Titelbild: Screenshot des Antrags „<a href="https://www.bremische-buergerschaft.de/dokumente/wp21/land/drucksache/d21l0659.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Schluss mit Gendersprache im öffentlichen Dienst<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/zeigen-wir-was-geht-solange-niemand-gendern-will/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/fdp_sprachantrag.jpg" length="54271" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/fdp_sprachantrag.jpg" width="984" height="292" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
		<item>
		<title>Liberté, diversité, perversité! – Warum Kink zum CSD gehört</title>
		<link>https://jascha.wtf/liberte-diversite-perversite/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/liberte-diversite-perversite/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 11:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erlebt]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dykes on Bikes]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kink]]></category>
		<category><![CDATA[Leder]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Stonewall]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=2574</guid>

					<description><![CDATA[Jedes Jahr die gleiche Debatte: Gehören BDSM, Kink und Fetisch zum CSD? Die Antwort ist eindeutig ja – und wer das bestreitet, reproduziert dieselben diskriminierenden Mechanismen, gegen die Pride ursprünglich antrat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 4</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Artikel ist eine aktualisierte Fassung meines alten Beitrags „Liberté, diversité, perversité! (oder Kinkstropher Street Day)“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr die gleiche Debatte: Gehören BDSM, Kink und Fetisch zum CSD? Die Antwort ist eindeutig ja – und wer das bestreitet, reproduziert dieselben diskriminierenden Mechanismen, gegen die Pride ursprünglich antrat.</p>



<span id="more-2574"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Das Problem: Consent als Waffe gegen queere Sichtbarkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der zentrale Vorwurf gegen Kink beim CSD lautet systematisch: „BDSM benötigt Zustimmung und ich habe nicht zugestimmt, das zu sehen.“ Diese scheinbar progressive Argumentation entlarvt sich bei genauerer Betrachtung als perfide Umdeutung eines emanzipatorischen Konzepts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2020 verstärken koordinierte Trollkampagnen wie z.B. „<a href="https://www.vice.com/en/article/7kpbba/operation-pridefall-4chan-gay-pride-2020" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Operation Pridefall<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>“ diese Dynamik gezielt. Diese auf 4chan organisierte Kampagne zielte darauf ab, durch systematische Verbreitung homophober Propaganda und gezielte Grooming-Vorwürfe gegen queere Kinkster die öffentliche Meinung zu manipulieren. Die <a href="https://www.thepinknews.com/2020/06/03/operation-pridefall-alt-right-4chan-discord-cyber-attack-pinknews-lgbt-pride-month/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dokumentierte Strategie<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> ist explizit: „Graduelle Verschiebung der Diskussion“, um „Menschen dazu zu bringen, LGBTQ-Community-Mitglieder als Pädophile zu betrachten“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese manipulativen Narrative finden längst Eingang in vermeintlich progressive queere Debatten. Ein aktuelles Beispiel aus 2025: Der <a href="https://schwulissimo.de/neuigkeiten/streit-beim-csd-bielefeld-debatte-um-fetisch-gruppen" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">CSD Bielefeld verlangt von Fetisch-Gruppen spezielle „Konsenskonzepte“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – eine Sonderbehandlung, die für andere Teilnehmer*innen nicht gilt. Dahinter steht die Unterstellung, Kinkster seien „besonders anfällig für sexualisierte Gewalt“. Die Linke queer spricht zu Recht von „inakzeptabler Diskreditierung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Bielefeld diskriminiert, <a href="https://www.csd-remscheid.de/2024/05/23/fetischmasken-beim-csd-ja-natuerlich/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">stellt der CSD Remscheid klar<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: „Fetisch gehört zum CSD und zur queeren Community. Solange Gesetze und Regeln eingehalten werden […] ist Platz für alle, die stolz und frei auf die Straße gehen.“ Und Köln feiert 2025 explizit mit <a href="https://www.colognepride.de/events" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Xtreme! und anderen Fetisch-Events<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> als integralen Bestandteil der Pride-Woche.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Historische Kontinuitäten: Von Transvestiten-Gesetzen zu modernem „Consent-Shaming“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Instrumentalisierung des Consent-Begriffs gegen queere Sichtbarkeit folgt einer bewährten Strategie: Bereits die US-amerikanischen Anti-Transvestiten-Gesetze argumentierten, das Tragen geschlechtsuntypischer Kleidung sei strafbar, weil die Öffentlichkeit dem nicht „zugestimmt“ habe. Gegen genau diese Logik rebellierten die Menschen bei <a href="https://www.nationalgeographic.com/history/article/stonewall-uprising-ignited-modern-lgbtq-rights-movement" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Stonewall 1969<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – ein Aufstand, an dem Kinkster, Fetischisten und Lederträger zentral beteiligt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland manifestierte sich diese Logik in <a href="https://www.lsvd.de/de/ct/1022-Paragraph-175-StGB-Verbot-von-Homosexualitaet-in-Deutschland" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">§175 StGB<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> besonders perfide: Der Paragraph diente nicht nur der direkten Kriminalisierung, sondern auch „als Rechtfertigung für Überwachung und Polizeirazzien an Schwulentreffpunkten, ebenso für das Führen von Rosa Listen“. Die Hamburger Polizei <a href="https://www.spiegel.de/politik/dicker-hammer-a-c486aefb-0002-0001-0000-000014331869" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">observierte jahrelang schwule Männer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> „durch einen Spezialspiegel“, um sie nach §175 anzuzeigen – staatliche Voyeure, die ihre Gewalt durch vermeintlichen „Schutz der Öffentlichkeit“ legitimierten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Lederdaddys: Queere Fürsorge in Zeiten staatlicher Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn heute ein 70-jähriger Lederdaddy stolz seine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Leather_pride_flag" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Lederpride-Flagge<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> schwenkt, trägt er die Geschichte einer Generation mit sich, die während der AIDS-Krise nicht nur mit staatlicher Vernachlässigung, sondern mit aktiven Vernichtungsfantasien konfrontiert war. Während in Bayern diskutiert wurde, „HIV-Positive in Lager zu verfrachten“, bildeten Leder Communities und „Dykes on Bikes“ Ersatzfamilien für Sterbende, die von ihren biologischen Familien verstoßen worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Fürsorgearbeit geschah nicht trotz, sondern wegen ihrer „Andersartigkeit“. Die Leder Community entwickelte bereits in den 1950ern <a href="http://www.onyxnynortheast.org/hanky-code-introduction" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Codes der Erkennung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – Bandanas, Hanky-Codes, spezifische Kleidung – als Überlebensstrategie in einer feindlichen Umgebung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pride als radikale Existenzfeier</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pride wurde von „Kinkstern, Fetischist*innen, gender non-conforming, queeren Menschen“ gegründet, nicht von „desinfizierten schwulen Männern“ (Original: „desinfected gay men“). Brenda Howard, Mitorganisatorin des ersten Christopher Street Liberation Day 1970, war „jüdisch, behindert, Sexarbeiterin, Kinksterin“ – ihr Slogan: „Bi, Poly, Switch – ich bin nicht gierig, ich weiß, was ich will.“ (Origina: „Bi, Poly, Switch – I’m not greedy, I know what I want.“)</p>



<p class="wp-block-paragraph">1973 wurden Stonewall-Aktivist*innen von assimilationistischen Schwulen ausgebuht – aus Sylvia Riveras legendärer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Jb-JIOWUw1o" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Y’all Better Quiet Down“-Rede<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> stammt die bis heute gültige Kritik an der Vereinnahmung radikaler queerer Politik durch bürgerliche Normalisierungsbestrebungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Systemanalyse: Kommerzialisierung als Disziplinierungsinstrument</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte um Kink beim CSD ist kein kultureller Konflikt, sondern Ausdruck struktureller Machtverhältnisse. Sponsoren wie PayPal oder Deutsche Bank haben ein materielles Interesse an „sauberen“ Prides – dieselben Institutionen, die Sexarbeiter*innen systematisch von Finanzdienstleistungen ausschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CSD-Veranstalter*innen internalisieren diese Zwänge und schaffen präventiv „sichere Umfelder“ für Konzerne. Das Ergebnis: sanitized Pride, die ihre eigenen historischen Wurzeln verleugnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Selektivität der Empörung: Strukturelle Queerfeindlichkeit entlarven</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum erregt queere Lederkleidung beim CSD Anstoß, während dieselbe Kleidung in heteronormativen Kontexten (Clubs, Werbung, Film) als „normal“ gilt? Diese Selektivität entlarvt das wahre Problem: Nicht die Kleidung ist das Problem, sondern ihre Träger*innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die systematische Verknüpfung von queerer Kink-Sichtbarkeit mit Grooming-Vorwürfen – ein Kernbestandteil von „Operation Pridefall“ – funktioniert nur, weil sie an tiefsitzende queerfeindliche Stereotype anknüpft. Diese false-flag operations nutzen die Verunsicherung queerer Communities aus, um interne Spaltungen zu vertiefen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2022 bezeichnete die Rapperin Katja Krasavice Kinkster beim Berliner CSD als „Perverse“ und „Pädophile“, die „ihre ekelhaften, perversen Fantasien ausleben“ wollen. Ihre Hetze fand <a href="https://csd-berlin.de/kommentar-von-barbie-breakout" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">breite mediale Aufmerksamkeit<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> und zeigt, wie manipulative Narrative selbst von queeren Personen internalisiert und reproduziert werden. 2024 griff eine <a href="https://queernations.de/csd-zwischen-radikaler-gegenkultur-und-gesellschaftlicher-mitte/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">breit diskutierte YouTube-Debatte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> um die Transfrau PersiaX diese Argumentationsmuster erneut auf, wobei erstmals sichtbar wurde, wie ein „diverses und wahrscheinlich mehrheitlich heterosexuelles Publikum“ auf diese Themen reagiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Doppelte Standards: Der allgegenwärtige Hetero-Voyeurismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich durch die Stadt gehe, konfrontiert mich permanent sexualisierte Werbung, ob ich will oder nicht. <a href="https://de.statista.com/infografik/11990/frauenbild-in-der-werbung/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">30% der Frauen werden in der Werbung sexualisiert dargestellt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> – eine Omnipräsenz, gegen die niemand „Consent-Verweigerung“ geltend macht. Ich sehe auf Bildern von Hetero-Partys, wie <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/aus-der-subkultur-in-den-mainstream-das-ledergeschirr-als-berliner-mode-statement-9365603.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">queere Ästhetik zur Party-Kleidung wird<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: Ledergeschirr „ist inzwischen eher in Kostümläden als in Sexshops zu finden“. Da hat mich auch niemand gefragt, ob ich das sehen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn ich als queerer Mensch dieselbe Kleidung trage, die Heteros für ihre Partys appropriiert haben, betreibe ich angeblich „Grooming“. Die <a href="https://werbemelder.in/pages/kriterien-und-beispiele" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Initiative „Werbemelder*in“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> dokumentierte systematisch, wie „sexistische Werbung aus der Wirtschaft“ den öffentlichen Raum dominiert – allein 2019 gingen <a href="https://ereignishorizont-digitalisierung.de/gesellschaftspolitik/beispiele-der-sexualisierung-im-online-marketing/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">120 Beschwerden über geschlechterdiskriminierende Werbung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> beim Deutschen Werberat ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heteros dürfen jeden Quadratmeter öffentlichen Raums sexualisieren, queere Ästhetik für ihre Events kommodifizieren und ihre Körper zur Schau stellen – aber queere Sichtbarkeit wird sofort pathologisiert. Diese Doppelmoral entlarvt das wahre Problem: Es geht nicht um „Kinderschutz“, sondern um die Kontrolle queerer Körper und die Aufrechterhaltung heteronormativer Hegemonie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Consent richtig verstanden: Gegen instrumentalisierten Kinderschutz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der manipulative Verweis auf „die Kinder“ reproduziert klassische Ausgrenzungsnarrative. Kinder existieren beim CSD nicht im luftleeren Raum – sie sind mit Eltern da, die für altersgerechte Erklärungen zuständig sind. Die Forderung, queere Sexualität aus der Öffentlichkeit zu verbannen, weil Kinder sie sehen könnten, ist strukturell identisch mit den Argumenten gegen jede queere Sichtbarkeit überhaupt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Echter Kinderschutz würde diese Kinder vor queerfeindlicher Indoktrination schützen, nicht vor der Erkenntnis, dass Menschen verschieden leben und lieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Kink als integraler Bestandteil queerer Befreiung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kink gehört zum CSD, weil Kink zur queeren Geschichte gehört. Wer das bestreitet, sollte sich ehrlich fragen: Will ich Pride als Feier queerer Befreiung – oder als Scharade für die Anerkennung durch eine Gesellschaft, die uns nur akzeptiert, wenn wir uns selbst verleugnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob Pride ein Akt der Rebellion bleibt oder zur Folklore einer Bewegung wird, die ihre eigenen Kämpfer*innen vergessen hat.</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph"><em>Den Titel verdanke ich <a href="https://eldritch.cafe/@der_zaunfink" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">@der_zaunfink<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>. Lest auch <a href="https://derzaunfink.wordpress.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">seinen Blog<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/liberte-diversite-perversite/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/kinkatpride.jpg" length="68736" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/kinkatpride.jpg" width="1080" height="567" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
		<item>
		<title>Regenbogenfahnen vor Bundesministerien</title>
		<link>https://jascha.wtf/regenbogenfahnen-vor-bundesministerien/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/regenbogenfahnen-vor-bundesministerien/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Apr 2022 14:12:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Pride]]></category>
		<category><![CDATA[Regenbogenfahne]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=723</guid>

					<description><![CDATA["Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) hat die Genehmigung erteilt, dass die Regenbogenflagge zu bestimmten Anlässen wie dem Christopher Street Day an Dienstgebäuden des Bundes gehisst werden darf."]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 2</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">„Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) hat die Genehmigung erteilt, dass die Regenbogenflagge zu bestimmten Anlässen wie dem Christopher Street Day an Dienstgebäuden des Bundes gehisst werden darf.“ So beginnt die <a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2022/04/regenbogenflagge.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Pressemitteilung des BMI<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>. Die Genehmigung kann man im <a href="https://www.protokoll-inland.de/SharedDocs/downloads/Webs/PI/DE/Beflaggung/BesBeflaggung/BMI_06042022_Regenbogenflagge.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Wortlaut beim BMI (bzw. Protokoll Inland) nachlesen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> (PDF).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt dürfen also endlich Regenbogenfarben vor Bundesministerien, Behörden, etc. gehisst werden und <strong>ich finde das falsch</strong>. „Ach tomate, was ist denn jetzt schon wieder verkehrt?“ wird da jetzt einigen Lesenden durch den Kopf gehen. Es ist eigentlich sehr einfach.</p>



<span id="more-723"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regenboggenflagge gehört den queeren Communities. Sie gehört nicht dem Einzelhandel (wo ich mich auch jedes Jahr aufrege, wenn im Pride Month plötzlich alle Logos in Regenbögen erstrahlen), den Parlamenten oder den Behörden. Sie ist ein Zeichen der LGBTQI-Bewegung und ihres Kampfes für Selbstbestimmung und Anerkennung und da liegt doch auch <a href="https://de.wiktionary.org/wiki/da_liegt_der_Hund_begraben" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der Hund begraben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>: Die Entschädigungen für die Opfer des §175 sind zu niedrig und bei weitem wurden noch nicht alle erreicht, dafür läuft das Gesetz bald aus (<a href="https://mannschaft.com/§-175-stgb-letztes-jahr-nur-sechs-antraege-auf-entschaedigung/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">siehe dazu mannschaft.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>), wir haben nach wie vor kein Selbstbestimmungsgesetz, es soll bis <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=41511" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ende des Jahres kommen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> (ob es das wird, werden wir sehen) und die Polizei muss erst einem <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=41510" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bündnis für Akzeptanz uns Respekt beitreten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, um <strong>queerfeindlicher Diskriminierung entgegenzutreten.</strong> Die Zahl queerfeindlicher Straftaten wird immer größer (beim <a href="https://www.lsvd.de/de/ct/2445-Homophobe-Gewalt" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">LSVD finden sich unter Punkt 3 Zahlen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>) aber politisch wird wenig dafür getan, die Akzeptanz von LGBTQI zu fördern – statt dessen werden Förderungen für Projekte zusammengestrichen und den Projekten die finanzielle Grundlage entzogen (Hier ein Beispiel aus <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=41660" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Sachsen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, eines aus <a href="https://plus.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/rgr-plant-kurzungen-bei-antidiskriminierung-berlin-spart-an-der-regenbogenhauptstadt-449739.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Berlin<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regenbogenfarben als Symbol unseres Kampfes für queeres Leben hat vor Bundesgebäuden nix verloren. Wenn das Innenministerium oder das Bundeskanzleramt die Regenbogenfahne hisst, wollen sie zeigen, dass sie hinter den queeren Communities stehen. Das ist in der Theorie schön, v<strong>ersteckt aber, dass wirklich noch viel passieren muss, bis LGBTQI in Deutschland genauso wie jeder cis hetero Mensch leben kann.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann verstehen, wenn das andere queeren Menschen anders sehen und ich bin auf Eure Sichtweise in den Kommentaren gespannt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><em>Das Titelbild aus ein Ausschnitt aus einem Bild, dass das <a href="https://www.bmuv.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> auf Twitter gepostet hat.</em></p>


]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/regenbogenfahnen-vor-bundesministerien/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/regenbogenfahne_bundesministerien.jpg" length="74810" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/regenbogenfahne_bundesministerien.jpg" width="1080" height="567" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
		<item>
		<title>Straight Allys brauchen keine Flagge</title>
		<link>https://jascha.wtf/straight-allys-brauchen-keine-flagge/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/straight-allys-brauchen-keine-flagge/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jul 2021 15:19:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[CSD Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Flagge]]></category>
		<category><![CDATA[Flaggen]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Pride]]></category>
		<category><![CDATA[Raumnahme]]></category>
		<category><![CDATA[Verwechslung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=102</guid>

					<description><![CDATA[Es war CSD und nach eineinhalb Jahren Pandemie war es einfach ein unglaubliches Gefühl, endlich wieder gemeinsam auf der Straße zu sein und ein paar Stunden ein paar Kilometer Straße für "uns" zu haben.

Wie jedes Mal wehten die verschiedenen Fahnen der verschiedenen queeren Communities und ich freu mich immer wahnsinnig, diese große Vielfalt an Identitäten zu sehen. Ich weiß, dass unter denen die auf dem CSD mitlaufen auch immer wieder Straight Allys befinden. Straight was?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 2</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Es war CSD und nach eineinhalb Jahren Pandemie war es einfach ein unglaubliches Gefühl, endlich wieder gemeinsam auf der Straße zu sein und ein paar Stunden ein paar Kilometer Straße für „uns“ zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie jedes Mal wehten die verschiedenen Fahnen der verschiedenen queeren Communities und ich freu mich immer wahnsinnig, diese große Vielfalt an Identitäten zu sehen. Ich weiß, dass unter denen die auf dem CSD mitlaufen auch immer wieder Straight Allys befinden. Straight was? </p>



<span id="more-102"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Straight Ally</strong>&nbsp;(eng., deutsch etwa heterosexuelle Verbündete) sind Personen, die sich als&nbsp;heterosexuell&nbsp;und&nbsp;cisgender&nbsp;identifizieren, die die&nbsp;LGBT-Bewegung unterstützen und sich zusätzlich gegen&nbsp;Homophobie,&nbsp;Lesbophobie,&nbsp;Biphobieund/oder&nbsp;Transphobie&nbsp;aussprechen. Der Begriff hat seinen Ursprung als&nbsp;Neologismus&nbsp;des&nbsp;englischen&nbsp;„<em>straight ally</em>“. (<a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Straight_Ally&amp;oldid=214171297" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, abgerufen am 25.07.2021)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt erst einmal sehr gut und ich freue mich, dass es Menschen gibt, die queere Communities einfach so unterstützen und auch auf dem CSD mitlaufen. Das ist toll, wirklich wenn da nicht… ja wenn da nicht der Umstand wäre, dass es einige dieser Straigth Allys gibt, die eine Fahne mit sich führen – nämlich die, die ihr auf dem Titelbild seht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">I<strong>ch sehe diese Fahne jetzt seit ein paar Jahren und jedes Jahr ärgere ich mich darüber</strong>. Ich habe nachgedacht, was mich denn daran ärgert, denn wieso ist es denn schlimm, wenn hetero cis Menschen den Umstehenden zeigen, dass sie für queere Rechte streiten? Das ist doch toll, dass sie das tun, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ja es wäre toll, wenn da nicht der Umstand wäre, dass die Fahne <em>mir</em> etwas ganz anderes erzählt</strong>. Erst einmal erzählt mir die Fahne, dass da ein nicht queerer Mensch ist, der auf dem CSD mitläuft und unbedingt markieren muss, dass keine Queerness vorhanden ist, nicht dass nachher noch jemand aus versehen meint, dass da noch eine weitere queere Person mitläuft. Dann erzählt mir die Fahne etwas von Raumnahme: Der CSD ist für queere Menschen. Natürlich laufen auch Allys mit und das ist auch toll, aber sie markieren sich in der Regel nicht. Die <strong>Straight Ally Fahne zeigt mir aber schmerzhaft, dass egal ist, für wen etwas ist, die Heten nehmen sich einfach, was sie wollen</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gehe stark davon aus, dass nichts davon von den Personen beabsichtigt ist und unterstellte auch keinen bösen Willen. <strong>Ich unterstelle aber klassisches Heten-Geltungsbedürfnis, auf keinen Fall mit einer queeren Person verwechselt zu werden denn das geht ja nun gar nicht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nun ja liebe Mitlesenden, was meint ihr?</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">


]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/straight-allys-brauchen-keine-flagge/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>7</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/straight_ally_flag.jpg" length="37569" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/straight_ally_flag.jpg" width="1900" height="1000" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
		<item>
		<title>Statement im Queerspiegel</title>
		<link>https://jascha.wtf/statement-im-queerspiegel/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/statement-im-queerspiegel/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jul 2021 14:43:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[CSD Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kink]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Pride]]></category>
		<category><![CDATA[Queerspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[schwul]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[trans]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=88</guid>

					<description><![CDATA[Zufällig wurden mein Freund Otis und ich auf dem CSD Berlin von einer Reporterin des Tagesspiegels angesprochen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> &lt; 1</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minute</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Zufällig wurden mein Freund Otis und ich auf dem CSD Berlin von einer Reporterin des Tagesspiegels angesprochen, ob wir ihr ein paar Fragen beantworten könnten und ob sie ein Foto von uns machen dürfte. Veröffentlicht wurde es im <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/csd-berlin-2021-im-blog-65-000-leute-bei-parade-groesste-demo-in-der-coronakrise/27450424.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Liveblog zum CSD<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> im Tagesspiegel (Eintrag 24. Juli 2021 16:15 Uhr)</p>



<span id="more-88"></span>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><em>Titelbild ist ein Ausschnitt aus dem Bild von Farangies Ghafoor.</em></p>





<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/statement-im-queerspiegel/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/tagesspiegel_otis_crash.jpg" length="148655" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/tagesspiegel_otis_crash.jpg" width="1620" height="796" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
		<item>
		<title>taz am Wochenende: Sicherer als Blümchensex</title>
		<link>https://jascha.wtf/taz-am-wochenende-sicherer-als-bluemchensex/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/taz-am-wochenende-sicherer-als-bluemchensex/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jul 2021 06:27:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[CSD Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kink]]></category>
		<category><![CDATA[Pride]]></category>
		<category><![CDATA[schwul]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[taz am Wochenende]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=83</guid>

					<description><![CDATA[Die taz am Wochende fragte an, ob ich ein „Loblied auf den Fetisch“ schreiben könne. Ich hab natürlich zugesagt und nach 20 Minuten hatte den ersten Entwurf fertig – persönlicher als ich dachte und so gar nicht allgemein gehalten, wie ich es vor hatte. Zwei Durchgänge später war der Text fertig, abgeliefert und die Redaktion hat ihn genommen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> &lt; 1</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minute</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">Die taz am Wochende fragte an, ob ich ein „Loblied auf den Fetisch“ schreiben könne. Ich hab natürlich zugesagt und nach 20 Minuten hatte den ersten Entwurf fertig – persönlicher als ich dachte und so gar nicht allgemein gehalten, wie ich es vor hatte. Zwei Durchgänge später war der Text fertig, abgeliefert und die Redaktion hat ihn genommen.</p>



<span id="more-83"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Den Text findet ihr in der Gedruckten <a href="https://taz.de/Themen-der-Ausgabe-24/25-Juli/!5788725/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">taz am Wochenende 24./25. Juli 2021<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> (da mit sehr schönem Foto von mir) und auf <a href="https://taz.de/Streit-um-Fetisch-beim-CSD/!5787153/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">taz.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a> mit einem anderem Foto von mir.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><em>Titelbild: Screenshot von taz.de</em></p>





<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/taz-am-wochenende-sicherer-als-bluemchensex/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/sichereralsbluemchensex.jpg" length="149673" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/sichereralsbluemchensex.jpg" width="1910" height="972" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
		<item>
		<title>Alte Wunden heilen</title>
		<link>https://jascha.wtf/alte-wunden-heilen/</link>
					<comments>https://jascha.wtf/alte-wunden-heilen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[tomate]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2020 21:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erzählt]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Street Day]]></category>
		<category><![CDATA[Coming out]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dorf]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kink]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQI]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
		<category><![CDATA[Pride]]></category>
		<category><![CDATA[schwul]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Stonewall]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://jascha.wtf/?p=35</guid>

					<description><![CDATA[1996. Ich lebe auf dem Land und will seit Jahren sagen, dass ich Männer toll finde. In diesem Jahr sage ich es. Ich bin 15 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 3</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<p class="wp-block-paragraph">1996. Ich lebe auf dem Land und will seit Jahren sagen, dass ich Männer toll finde. In diesem Jahr sage ich es. Ich bin 15 und allein. Klar, man hat nix gegen Schwule – es ist halt nur so ein Schimpfwort auf dem Schulhof. „Schwule sind etwas Schlechtes“ ist das, was bei mir ankommt. Da ich schwul bin, bin ich also etwas Schlechtes.</p>



<span id="more-35"></span>



<p class="wp-block-paragraph">In der Schule bekamen wir nur die Information, dass es Homosexualität gab, dass inzwischen keiner mehr dafür ins Gefängnis ging und dass man Schwule nicht diskriminierte. Über Lesben, Trans* und Inter-Menschen erfuhren wir damals nichts. So richtig hatte ich noch nicht verstanden, was „schwul“, was „queer“ bedeutet. LGBTQI* sagte mir noch nichts. Die Regenbogenfahnen kannte ich nur als „Friedensfahne“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meinem Glück fand ich über das Internet Zugang zu Newsgroups und Foren und probierte dort – neben jeder Menge Unfug –, etwas über mich herauszufinden. Mit Erwachsenen konnte und mochte ich nicht darüber reden. In der Bibliothek gab es zwar entsprechende Bücher, aber ich wollte nicht, dass jemand erfuhr, dass ich solche Bücher auslieh. Und die Bibliothekarin bei uns war ebenso geschwätzig wie mein Arzt. Auf dem Land gab es für mich außerhalb meines Zimmers keine Privatsphäre. Es gab nur Ablehnung, Häme, „das ist eine Phase“ und Freunde, die sich mit mir plötzlich nicht mehr treffen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwule waren dann okay, wenn sie nicht in der Nachbarschaft wohnten und man nicht direkt mit ihnen zu tun hatte. Immer mit ausreichender Distanz und „Sicherheitsabstand“. Es war ätzend, denn ich wollte nicht auf Distanz gehalten werden, nur weil ich anders war. Manchmal sah ich im Fernsehen die Berichte über den CSD in Frankfurt. Frankfurt, eine Stunde entfernt, aber für mich unerreichbar. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass der auch für mich war, denn dort waren die „anderen Schwulen“. Die immer gleichen Fernsehbilder der schrillen, freizügigen und tuntigen Schwulen und die Reaktionen und Kommentare meines Umfelds verunsicherten mich. Was dort zu sehen war, was dazu gesagt wurde, war ganz anders, als ich mich wahrnahm. „Und außerdem sind das alles Pädophile“, hörte ich einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich kurz Mut fasste, mir überlegte, ob das doch auch eine Veranstaltung für Menschen wie mich war – was wäre, wenn mich dort jemand gesehen hätte?! Nein, das war keine Option.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner HIV-Infektion, Mitte der 2010er Jahre, brach meine Welt zusammen. Ich wusste nicht mehr, wo oben oder unten war und die nächsten zwei Jahre war ich mir selbst noch fremder als jemals zuvor. Wer war ich überhaupt? Und das obwohl ich um die Therapien, Nichtübertragbarkeit und vieles wusste. Erst der Rückhalt durch meine jetzigen Freund*innen half mir, wieder den Boden unter den Füßen zu spüren. So einen Rückhalt hätte ich 1996 ebenfalls gebraucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hat sich vieles geändert. Ich habe mich verändert. 2018 war ich auf dem Berliner CSD, wie vorher schon auf vielen anderen CSDs. Bisher war ich nur für das abstrakte Politische und natürlich für die Solidarität mit anderen da. Aber 2018 lief ich bei der Demo mit – im Lederharness und Jock. Ich war gerade in einer Phase, in der ich mich sexuell neu fand, ausprobierte, Fetische und Kinks erkundete und mich selbst lieben lernte. Es war eine große, geile Party, ich traf eine Menge alte Bekannte sowie Freund*innen und lernte neue Menschen kennen. Den Rest des Abends lies ich mich über den CSD treiben. Und plötzlich verstand ich es. Plötzlich wusste ich, wofür der CSD da war – da sein soll, da sein MUSS! Der CSD ist die ultimative Demonstration unserer selbst. Wir sind da! Wir sind verschieden! Wir haben ein paar Kilometer Stadt für uns und unterliegen ausnahmsweise, wenn auch nur ganz kurz einmal nicht den Regeln dieser cis-heteronormativen Mehrheitsgesellschaft. Hier sind wir, die Schwulen, die Bisexuellen, die Lesben, cis, trans*- und intersexuelle Menschen, aromantisch, asexuell oder hypersexuell, mit und ohne Fetische, HIV positiv oder nicht. Hier sind alle Buchstaben aus LGBTQI* vertreten, und noch viele Buchstaben mehr. Eine große, bunte, vielfältige, individuelle und doch solidarische Community. Das ist es, was für mich den CSD ausmacht: Die Menschen auf der Straße zu sehen, mit ihnen zu demonstrieren, zu feiern und zu wissen, dass ich nicht allein bin. Niemand von uns ist das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Jahr gehe ich wieder auf den CSD*. Ich gehe für mich, damit alte Wunden heilen können. Ich gehe aber auch für die, die wie ich früher nicht offen sagen können, wie sie lieben, begehren und welche Identität sie haben. Ich laufe mit und bin sichtbar, um zu zeigen, dass sie nicht allein sind.<br>*[Anmerkung: Der Text entstand zum CSD 2019 und dem 50. Jahrestag der Stonewall-Aufstände]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind, wie wir sind, und wir sind gut, so wie wir sind. Wir sind viele und wir gehen nicht weg. Und: Wir lassen uns unser Recht auf Selbstbestimmung von niemandem einschränken oder nehmen!</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px"><em>Der Beitrag erschien zuerst bei <a href="http://hessen-ist-geil.de/alte-wunden-heilen-stephan-urbach/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">HESSEN IST GEIL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-3"></span></a>, dem Präventionsprojekt der Aidshilfe Hessen.</em></p>


]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://jascha.wtf/alte-wunden-heilen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<enclosure url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/altewundenheilen.jpg" length="147529" type="image/jpeg"/><media:content url="https://jascha.wtf/wp-content/uploads/altewundenheilen.jpg" width="913" height="1024" medium="image" type="image/jpeg"/>	</item>
	</channel>
</rss>
