Hallo und vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ich verstehe deine Überlegung und finde es gut, dass du reflektiert über Raumnahme nachdenkst.
Allerdings veranschaulicht deine Argumentation präzise das strukturelle Problem, das ich im Blogpost beschreibe: Du nimmst dir bewusst queeren Raum, markierst dich dabei aber explizit als nicht-queer. Das ist genau die Dynamik, die ich kritisiere – „egal ist, für wen etwas ist, die Heten nehmen sich einfach, was sie wollen.“
Deine Begründung offenbart das klassische Heten-Geltungsbedürfnis: Du sagst zwar, du hättest „kein Problem“ damit, queer gelesen zu werden, aber dein Handeln widerspricht dem fundamental. Die Straight Ally-Flagge funktioniert als aktives „Nein Homo“-Signal – eine demonstrative Markierung deiner Nicht-Queerness im queeren Raum.
Die Progressive Pride Flag kannst du als Ally durchaus tragen – sie symbolisiert Unterstützung der queeren Bewegung, nicht ausschließlich queere Identität. Du würdest dir nichts „aneignen“, sondern Solidarität ausdrücken. Dass du stattdessen eine Flagge wählst, die dich explizit als „anders“ kennzeichnet, reproduziert systematisch die Raumnahme-Mechanismen privilegierter Gruppen: Selbst in Räumen, die explizit für Marginalisierte geschaffen wurden, muss sichtbar bleiben, wer zur Norm gehört.
True Allyship zeigt sich durch solidarisches Handeln – nicht durch permanente Selbstmarkierung als Nicht-Betroffene.