Inkompetenz triggert Notfallmodus
Wie vorhersehbar: Der CEO von Replit entdeckt plötzlich die Notwendigkeit, Entwicklungs- und Produktionsumgebungen zu trennen. Natürlich erst, NACHDEM der Schaden eingetreten ist. Was genau passiert war, habe ich bereits in meinem gestrigen Post aufgeschrieben: Vibe Coding als systematisches Versagen professioneller Standards.
Amjad Masad, CEO von Replit, versucht sich in Schadensbegrenzung: „Working around the weekend, we started rolling out automatic DB dev/prod separation to prevent this categorically“. Grundlagen rüsten wir am Wochenende nach. Da passt der Vibe am beten, nachdem die Katastrophe öffentlich wurde. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben ein Geschäft mehr als 100 Millionen USD Umsatz pro Jahr, Da kann man schon durchaus auf Sachen, die nicht ordentlich viben, verzichten. Entwicklungsstandards einhalten zum Beispiel. Ich nehm übrigens einmalig 500 EUR um deine Produktionsdatenbank zu löschen. Ein Schnäppchen!
Die Vibe-Coding-Evangelisten feiner diese von Venture Capital geformte Inkompetenz als „masterclass in crisis management“. „Fantastic response, owned the issue and then set out a clear plan to make sure it didn’t happen again, kudos!“ schwärmt der Leiter der Java at Microsoft Abteilung. Ja, gut Microsofts Führungsebene versucht momentanständig irgendwo ihr KI-Zeuch unter zu bekommen. Ein anderer ist „glad to see the database dev/prod auto separation“ – als wäre dies eine innovative Neuerung statt eines seit Jahrzehnten etablierten Mindeststandards. Aber gut, ist ja auch „AI und Tech Educator“. Der muss es wisse! Ganz toll finde ich: „This is a masterclass in how to handle a crisis – the CEO steps up, takes immediate ownership of the issue, doesn’t try to deflect in any way, and offers a solution. Authenticity and responsiveness turning a loss into a win.“
Es geht nämlich gar nicht darum, dass das Produkt nie hätte für produktive Applikationen hätte vermarktet werden dürfen. Solche Posts zeigen mir eine systematische Unfähigkeit, zwischen PR-Management und tatsächlicher Kompetenz zu unterscheiden. Was hier als „proactive“ gefeiert wird, ist reaktive Schadensbegrenzung nach einem vermeidbaren Versagen. Die Tatsache, dass elementare Funktionen hastig am Wochenende geklöppelt werden müssen, wird als Zeichen von Führungsstärke interpretiert.
Die strukturelle Dimension des Problems wird übersehen: Replit vermarktet sich gezielt an Personen ohne technische Kompetenz. Das Unternehmen bewirbt seine Tools mit Beispielen wie einem „operations manager with 0 coding skills“ der Software erstellt. Diese Zielgruppe kann die Risiken nicht einschätzen, die sie eingeht. Das ist Verantwortungslosigkeit. Die will hier aber niemand ownen.
Titelbild: Screenshot replit.com
[…] Update: Das Drama geht noch weiter! […]